Erster Eindruck von Indonesien

Von Bangkok flogen wir über Singapur direkt nach Yogyakarta, auf der Insel Java in Indonesien. Selbstverständlich haben wir vorher aber noch in Bangkok unser lang ersehntes und aufwändig beantragtes Indien-Visum abgeholt! Juhui :-) Aber wir wollten erst Anfang Juni nach Ladakh, im Norden von Indien gelegen, um zu trekken und so hatten wir noch über drei Wochen, um mindestens einen Teil von Indonesien zu erkunden.

Als Globetrotter haben wir schon so manchen Flughafen gesehen, zahlreiche Spezialfälle kennengelernt (habt ihr z.B. gewusst, dass man für einen Flug von Kanada nach Hawaii die amerikanische Einreise bereits in Kanada absolvieren muss. Lange Wartezeiten und Abgabe des Reisproviants für den Flug inklusive…) und sind als Folge davon auch schon über manchen Flughafen gesprintet. Und dennoch hält die internationale Reiserei auch für uns immer wieder eine Überraschung bereit. Und so erfuhren wir heute beim Check-in, dass wir beim umsteigen in Singapur auschecken und uns mitsamt Gepäck nochmals neu einchecken müssten. Unsere gewählte Billig-Airline wollte diesen Aufwand offensichtlich nicht auf sich nehmen. Grundsätzlich kein Problem, wenn wir nur nicht so wenig Zeit zum umsteigen hätten in Singapur….

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Doch wir hatten Glück, der Flughafen war fast menschenleer, die Zollbeamten schienen nur auf uns zu warten und so hatten wir sogar noch kurz Zeit für ein Foto und eine Nudelsuppe (für die zahlreichen Gärten im Flughafen Singapurs hat es leider nicht gereicht) bevor unser Flieger in Richtung Yogyakarta abhob.

Von Yogyakarta, oder Yogya (¨tschogscha¨ ausgesprochen), wie die Einheimischen die Stadt nennen, waren wir von Anfang an hellauf begeistert!

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Als Empfangskomittee standen am Flughafen bereits die Besitzerinnen unseres gebuchten Homestays, ein herzliches und munteres Schwestern-Duo, bereit. Sehenswürdigkeiten, Hobbies, Gewichtsprobleme usw. – über alles plauderten und lachten die beiden während der Fahrt (insbesondere über letzteres wunderten wir uns nicht mehr, als wir die indonesische Küche kennenlernten…) zu ihrem Haus, welches in einem ruhigen Quartier, jedoch nicht weit vom Sultanpalast liegt.

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Die Herzlichkeit, mit welcher wir empfangen wurden, zog sich durch unseren ganzen Aufenthalt in Yogya durch. Einheimische brachten uns zu einem guten Strassenstand und erklärten uns die Speisen, sie dolmetschten, zeigten uns ihr Handwerk, Kinder riefen uns aus den Gärten aus zu und winkten, Moped-Fahrer verlangsamten ihre Fahrt und fragten uns, ob sie uns helfen könnten… Wir waren verblüfft über so viel Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, für welche die Einheimischen nur ein Lächeln als ¨Gegenleistung¨ erwarteten. Wir wussten nie wie unser Tag verlaufen würde, je nachdem wen wir unterwegs kennenlernen würden. Doch wir genossen es, uns einfach treiben zu lassen und uns auf die Überraschungen von Yogya und seiner Einwohner einzulassen.

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Innerhalb der Stadtmauern befindet sich der historische Kern von Yogya, wo sich unter anderem auch der Sultanpalast und das Wasserschloss befinden.

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Als wir in einen hübschen Innenhof äugten, kam sofort ein Einheimischer aus dem offenen Haus geeilt und begrüsste uns freundlich: ¨Kommt hinein in den Garten, ich werde euch alles zeigen. Wir sind gerade an den Vorbereitungen für das Geburtstagsfest der Prinzessin, aber lasst euch davon nicht stören¨. Aha… Wie sich herausstellte, waren wir im Prinzessinen-Palast einer der vier Töchter des Sultans gelandet.

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Und da diese gerade nicht zu Hause war, spazierten wir mit unserer neuen Bekanntschaft durch den Garten, warfen einen Blick in ihr Schlafgemach, schauten den Vorbereitungen für ihr Geburtstagsfest zu und erfuhren viel über die Geschichte, den Sultan sowie seine Arbeiter. Die Familien, welche im Kern innerhalb der Stadtmauern wohnen, leben hier schon seit etlichen Generationen und arbeiten alle für den Sultan, so auch unser neuer Bekannte. Er hatte seinem Wunsch nachkommen und einer der Musiker des Sultans werden können. Und für uns gab es da gleich etwas Privatunterricht.

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Naja, für den Sultan reichts vielleicht noch nicht ganz, aber wir hatten Spass beim ausprobieren mit dem Musiker.

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Bevor unsere Bekanntschaft zusammen mit seinen Musikkollegen zu den Proben startete, brachte er uns noch ein paar Hinterhöfe weiter zu einem Kollegen. In dieser Werkstatt werden die Figuren fürs traditionelle Figurentheater angefertigt.

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Alle Figuren werden von Hand angefertigt und bemalt, was pro Figur über eine Woche in Anspruch nimmt. Auch hier nahm sich einer der Mitarbeiter viel Zeit und erklärte uns alles. Was für uns auf den ersten Blick nur Figuren zu sein scheinen, sagt für die Einheimischen so viel aus, dass uns vor lauter Bedeutungen bald der Kopf schwirrte. Form, Löcher, Farben der Figuren- alles hat eine Bedeutung und erzählt eine Geschichte.

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Einen Tag später konnten wir im Sultanpalast dann ein Figurentheater mit Musik live miterleben. Und während das Figurentheater Karin stundenlang in den Bann zog, erkundete Christian in der Zwischenzeit den gesamten Sultanpalast.

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Bekannt ist Yogya auch für seine Batikkunst, dessen Herstellung wir in einem kleinen Atelier kennenlernen konnten. Selbstverständlich war das Batikatelier ein Gemeinschaftsprojekt, in welches uns der Einheimische führte (dieses Mal war es ein Lehrer, der per Zufall mit seinem Moped vorbeikam, als wir einen Blick auf den Stadtplan warfen). Die Batik-Ateliers an der sehr touristischen Malioboro-Strasse seien doch gar nicht mehr authentisch, meinte er.

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Die Besitzer unseres Homestays boten uns kostenlose Fahrräder an, um die Stadt zu erkunden. Bestens gelaunt machten wir uns auf den Weg und fragten uns nach ein paar Hundert Metern im Verkehrschaos der Innenstadt, ob wir eigentlich lebensmüde seien. Im Gewirr aus Autos, Lastwagen, Mopeds, Fahrrädern, Pferd & Wagen und Fussgängern gab es jedoch nur eine Strategie: Augen zu und vorwärts! Magischerweise wichen plötzlich auf uns zurasende Mopeds im letzten Augenblick noch aus oder wenn es ganz arg wurde, formierte sich eine spontan aus Einheimischen zusammengestellte Töffli-Eskorte, welche uns sicher über die Strassen brachte.

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Im Fahrrad-Taxi war es dann etwas gemütlicher beziehungsweise, aufgrund des Daches konnten wir nicht sehen, welches Fahrzeug gerade auf uns zuraste ;-)

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Wo wir auch hingingen in der Innenstadt, waren Einheimische da, um Gebäude zu erklären, unsere Fragen zu beantworten oder uns den Weg zu zeigen. Während wir im Prinzessinenpalast noch unsicher waren, ob unser Musiker-Guide ein Trinkgeld für die Führung und die beanspruchte Zeit erwarten würde (denn so oft kommt es vor, dass einem Einheimische nachlaufen, von sich aus etwas erklären oder den Weg zeigen und zum Schluss meinen, sie seien Guides und die Tour koste CHF xx…), wussten wir mit der Zeit, dass ihnen Interesse und ein Lächeln genügten. Denn die Menschen innerhalb der Stadtmauern sind alle vom Sultan angestellt (und bezahlt) und so stolz darauf, dass sie in ihrer freien Zeit gerne den wenigen Touristen ihr Handwerk und ihre Stadt zeigen. Perfektere Gastgeber könnte man sich nicht wünschen!

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Nach ein paar Tagen in der Stadt fühlten wir uns fast wie Einheimische und wir schienen weit und breit die einzigen westlichen Touristen zu sein. ¨Wie gehts?¨ tönte es von einem Moped, ¨Hallo, Karin! Chris!¨ aus dem Innenhof eines Hauses. Mal war es der Musiker, der Saftverkäufer oder eine andere der neuen Bekanntschaften.

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Spätestens beim Sonnenaufgang in Borobudur merkten wir dann aber, dass es hier doch noch andere Touristen hat….

Die im primär islamischen Java gelegene, buddhistische Tempelanlage Borobudur gilt als Höhepunkt in der Umgebung von Yogya. Die mehrstöckige Tempelanlage ist umgeben von ganz viel grün, Hügeln und in der Ferne konnten wir einen Vulkan ausmachen.

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Der kurze Sarong (Tuch als Rock getragen) gehört zur Pflicht für Besucher des Tempels.

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Das Ziel dieser Studenten ist es, im Gespräch mit den Touristen in der Tempelanlage ihre Englisch-Kenntnisse zu verbessern. Zuerst hatten uns diese Studenten noch ganz schüchtern gefragt, ob sie mit uns sprechen dürfen, doch während des Gesprächs tauten sie dann auf, so dass sie uns fast nicht mehr gehen lassen wollten.

DSC00718In jedem Land, welches wir bereisen, gibt es auch wieder neue Spezialitäten zu entdecken und probieren. Vielleicht habt ihr die zwei bekanntesten Spezialitäten der indonesischen Küche, ¨Nasi goreng¨ und ¨Satay Spiesschen¨ in der Schweiz schon ausprobiert? Wie wir rasch herausgefunden haben, ist beim Essen hier in Indonesien so ziemlich alles ¨goreng¨, was übrigens ¨frittiert¨ auf indonesisch heisst. Das fängt schon beim Frühstück an. In unserem Homestay gab es mal frittierten Reis, mal frittierte Nudeln mit Fischcracker ein typisch indonesisches Frühstück (die Eier-Omelette auf dem Bild ist da schon eher eine Ausnahme).

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Was isst denn Christian (der ja viel lieber Salziges als Süsses hat) hier zum Znacht?

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Im Quartier unserer Unterkunft gab es keine anderen Touristen, dafür viele authentische Restaurants und Strassenstände mit echtem indonesischem Essen. Selbstverständlich gibt es da weder Bilder noch Erklärungen zu einem Menu auf der Speisekarte und schon gar kein englisch-sprechendes Personal. Uns war das jedoch egal und wir haben die fremd klingenden Menus bestellt ohne zu wissen, was uns erwartet. Ja, und so ist Christian zu seinem Znacht aus einem Stück süssem Brot mit einer gekochten Banane, überstreut mit Schokoraspeln und Reibkäse gekommen. Mmmh, yummy ;-)

Die Strassenstände und Märkte haben hingegen den Vorteil, dass man vorher sieht was man kauft. Neben frittiertem Reis, frittierten Nudeln, frittiertem Tofu, frittierten Papayablättern ist hier in Indonesien auch ¨Gado-gado¨ ein Renner. Dies ist eine Art Salat (je nachdem mit frittiertem Tofu) mit in Bambus gekochten Reisstückchen und einer mind. 5 cm hohen Schicht aus Peanut-Sauce. Die Peanut-Sauce ist übrigens auf und in vielen Speisen und gehört zur indonesischen Küche wie das Frittieren.

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Zopf und Wähe in Indonesien? Nein, die ¨Swiss Bakery¨ hatte dann doch eher indonesische Spezialitäten dabei.

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Wer sucht der findet! Verwöhnt vom Früchteparadies Thailand, wo die nächste Frucht nie mehr als ein paar Schritte entfernt ist, mussten wir hier länger suchen bis Karin zu ihren geliebten Früchten kam.

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Nach mehreren wunderschönen und erlebnisreichen Tagen in Yogya war es Zeit an die Weiterreise zu denken. Wir wollten mit dem Zug in den Norden nach Surabaya, die zweitgrösste Stadt der Insel, reisen und von dort noch am gleichen Tag irgendwie weiter in die Stadt Malang im Landesinnere im Osten weiterfahren. Wie wir dort genau hinkommen sollten, wussten wir zwar nicht genau, aber irgendwie sind wir noch immer angekommen. Doch zuerst galt es erst einmal in Yogya an ein Zugbillet zu kommen, wozu Geduld gefragt war. Nach über einer Stunde Warterei hatten wir dann ein Ticket für den ziemlich ausgebuchten Zug ergattert. Und so genossen wir am nächsten Tag die mehrstündige Fahrt durch kleine Dörfer und vorbei an Reisfeldern zusammen mit den Einheimischen.

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Ah ja, von Surabaya haben wir mit Taxi und Bus unseren Weg nach Malang gefunden, von wo aus wir die nahe gelegenen Vulkane besuchen wollten.

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