Die restlichen zwei Wochen sollte uns vor allem in die Vergangenheit der Khmer (wie die ursprünglichen Kambodschaner genannt werden) führen. Diese Vergangenheit beinhaltet atemberaubende Bauwerke aus der Blütezeit der Khmer, aber auch einer der traurigsten Völlkermorde der jüngsten Geschichte.
Mit einer siebenstündigen Holperfahrt gelangten wir nach Siem Reap. Wegen der Nähe zum bekannten Touristenmagneten, dem Angkor Wat, hat sich Siem Reap zu einer florierenden Stadt entwickelt. Auch wir genossen zunächst einmal die Annehmlichkeiten einer Stadt. Beim Essensmarkt konnte man sich mit allerlei eindecken.
Da wir uns im Chiro Dörfchen hauptsächlich von Fisch und Reis ernährt hatten, war Karin von den Früchten und Christian von den Trockenwürsten angetan.
Karins neuer Favorit unter den Früchten ist die Drachenfrucht, hier sehr schmackhaft und natürlich einiges günstiger als in der Schweiz.
Aber eigentlich waren wir wie alle Besucher wegen den eindrücklichen Tempelbauten rund um den Angkor Wat hier.
Angkor war vom 9. -15. Jahrhundert die bedeutenste Stadt in Südostasien. Man glaubt, dass bis zu einer Million Menschen zur Blühtezeit der Khmer rund um diese 1000 Tempelanlagen lebten (im Vergleich, London hatte damals gerade mal 50’000 Einwohner.) Der bekannteste Tempelkomplex Angkor Wat ist der grösste weltweit.
Will man alle zugaenglichen Anlagen in Angkor besichtigen, reicht ein Tag nicht aus. Da wir uns aber nicht als Architektur- und Geschichtsfanatiker bezeichnen würden, begnügten wir uns mit einem langen Tag und den wichtigsten Tempelanlagen. Wir hatten unseren privaten Tuktuk-Fahrer und probierten der Route der Busunternehmen auszuweichen. Normalerweise beginnen alle mit dem Hoehepunkt Angkor Wat zum Sonnenaufgang. Wir hingegen sparten uns diese Tempelanlage bis ganz zum Schluss auf.
So waren wir beim Besuch des Banteay Kdei am frühen Morgen wirklich noch praktisch alleine und die Geräusche der Natur in den alten Gemäuern versetzte uns in eine andere Welt.
Die Pflanzen hatten an vielen Orten Besitz über die einst so mächtigen Bauten genommen.
Auch beim Stopp beim Ta Prohm faszinierten die riesigen Baeume, welche die Ruinen vereinnehmen. Indiana Jones würde sich hier sicher wohl fühlen
. Ein anderer bekannter Hollywoodfilm nutzte den Ta Prohm als Kulisse, nämlich Tomb Raider mit Lara Croft, gespielt von Angelina Jolie.
Wegen des mächtigen Thai -Königreichs im Westen war Angkor bedroht und konnte seine Bedeutung nicht mehr aufrecht erhalten. Das wirtschafliche Zentrum wurde an den Mekong Fluss nach Phnom Penh verlegt und somit verkamen die meisten Tempel zu Ruinen.
Auch gut gefallen haben uns die Gesichter auf den Tuermen des Bayon Tempels.
Und bis zum Sonnenuntergang wanderten wir durch die Gemäuer des imposanten Angkor Wats.
Phnom Penh sollte unsere letzte Station in Kambodscha sein. Die Hauptstadt ist heute dicht besiedelt und die Strassen sind oft mit Verkehr verstopft. Kaum zu glauben, dass die Stadt am 17. April 1975 innerhalb von 48 Stunden zu einer Geisterstadt wurde. Verantwortlich dafur waren die Roten Khmer.
Unter ihrem Anführer Pol Pot zwang die sozialstische Khmer Partei die Stadtbevölkerung von Phnom Penh aufs Land umzusiedeln. Dort sollten sie als Bauern arbeiten und die Reisproduktion verdreifachen. Ziel dieser Partei war es, dass das ganze Land nur von der Landwirtschaft lebt und alle anderen Wirtschaftsformen waren verboten. Geld wurde abgeschafft und Bücher verbrannt, Spitäler und Schulen wurden geschlossen. Klöster, Moscheen und Kirchen zerstörte man – die Religionsausübung wurde verboten.
Der Massenmord an der eignen Bevölkerung begann mit der Hinrichtung der Gelehrten des Landes. Wer Beziehungen ins Ausland hatte oder eine Fremdsprache beherrschte wurde getötet. Fast all Doktoren, Lehrer, Priester wurden umgebracht. Später genügte es auch nur eine Brille zu tragen, um als Gelehrter zu gelten. Es wurden Massensäuberungen durchgeführt, ähnlich wie im Dritten Reich in Deutschland. Massengräber verteilt in ganz Kambodscha zeugen von den Gräueltaten.
Das bekannteste dieser Massengräber (Killing Fields) liegt nahe Phnom Penh mit dem Namen Choeung Ek. Ein Besuch dieser Stätte bedrückt, macht wütend und wirft Fragen auf.
Etwa 17’000 Menschen wurden hierher gebracht und auf grausamste Weise getötet. Die buddhistische Stupa erinnert der Geschehnisse und dient zur Aufbewahrung der gefundenen menschlichen Überreste.
Das Durchschnittsalter der durch die Roten Khmer rekrutierten Soldaten war 13 Jahre. Von 1975 – 1978 starben bei Massenvernichtungen oder durch Hungertot etwa drei Millionen Menschen. Die Roten Khmer vernichteten fast 25% des eigenen Volkes! Jeder Kambodschaner hat seine eigene Geschichte. Wir haben vor unserem Besuch kaum etwas von diesem Völkermord gewusst und waren beschämt über die Rolle des Westens. Dieser hatte (heute unvorstellbarerweise) nach der Vertreibung der roten Khmer aus Kambodscha nach wie vor Pol Pot, Gruender der roten Khmer und Verantwortlicher dieses grausamen Voelkermordes, und seine Frende als Regierung angesehen. So nahmen die roten Khmer noch 10 Jahre nach dem Ende des Regimes in der UNO Einsitz, erhielten finanzielle Unterstuetzung vom Westen und China und Oberhaupt Pol Pot lebte ein gemuetliches Leben bis er mit 82 Jahren starb. Nur dank Spenden aus dem Ausland kommt das Land langsam wieder auf de Beine. Das heutzutage grösste Problem des Landes ist die Korruption (fast 200 Mio. Hilfsgelder verschwinden jährlich irgendwo in den Taschen von Politikern und hohen Beamten).
Trotz ihrer schrecklichen Vergangenheit werden uns die Kambodschaner als fröhliche und freundliche Menschen in Erinnerung bleiben. So elebten wir sie auch beim Wasserfest, das, wie es der Zufall wollte, gerade in Phnom Penh als Volksfest im vollen Gange war.
Zwar hatten wir ein schönes Hotel in der Millionenstadt gebucht, doch es zog uns immer wieder hinaus in die Strassen, wo wir das Treiben Südostasiens nochmals bewusst miterleben wollten.
Und das läuft dann etwa folgendermassen ab: Aus der geschützen Welt des Hotels betritt man die vollgestopfte Strasse. Alle paar Meter wird einem ¨Tuk Tuk¨ entgegengerufen. Die Männer auf den Motorrädern können es oft nicht glauben, dass man lieber zu Fuss zum nächsten Strassenstand gehen möchte. Und diese Strassenstände gehören einfach zum Bild in Südostasien. Fleischspiesse und Maiskolben werden gegrillt, Suppen aller Art gekocht und Snacks wie salzige Muscheln, fritierte Insekten aber natürlich auch süsse Früchte angeboten. Einige Stände werden auch mit Motorrädern verschoben und so ist Christian schon seinem Lieblingsstand über mehrere Strassen nachgerannt.
Obacht ist immer geboten, wenn es eine Strasse zu überquern gibt. Das frühere Hauptverkehrsmittel Asiens, das Fahrrad, ist zumindest in den Städten vom Motorrad abgelöst worden. Manchmal scheint es fast unmöglich eine Lücke zwischen den heranbrausenden Zweirädern zu finden.
Verkehrfreie Zonen gibt es wenige und wenn doch befindet man sich oft auf einem Markt. Vollgestopf ist es auch da meistens, aber mit schönen Sachen die das Entscheiden nicht einfacher macht. Geduld ist nicht die Stärke der Verkäufer. Lässt man den Blick über den Stand schweifen, halten sie alles in die Höhe und geben einem immer einen Morgen- Nachmittags- oder Abendrabatt, je nach Tageszeit. Gefeilscht werden muss dann natürlich trotzdem noch und mitlerweile sind wir das so gewohnt, dass wir uns bei Fixpreisen im Coop schwer tun würden.
Ja, man erlebt einiges in den Strassen Südostasiens und oftmals ist man ziemlich erledigt, so dass man dann doch einen Tuk Tuk-Fahrer glücklich macht und sich zurück ins Hotel chauffieren lässt.
Wir velassen Kambodscha mit vielen Eindruecken. Noch viel mehr als die bekannten Tempel in Angkor Wat werden uns die Kinder und Einwohner vom Chiro Dorf in Erinnerung bleiben. Ob wir sie wohl jemals wieder sehen?































