Panama! Was uns wohl hier erwarten würde? Etwas war klar, der Kulturschock würde auf jeden Fall nicht so gross sein, wie bei unserer ersten Weltreise, als wir unsere Südamerikareise in Lima (eine der hässlichsten Städte, welche wir jemals gesehen haben) starteten… Doch wer hätte gedacht, dass uns anstatt staubigen Strassen, lautem Hupen und viel Chaos, eine moderne Skyline, ein Fuss-/ und Fahrradweg direkt am Pazifik etc. erwarten würde. Beim unten stehenden Bild wähnten wir uns eher in Miami als in Panama.
Panama – ein Land im Aufschwung, welches in den letzten Jahren viel aufgebaut hat. Selbstverständlich profitieren nicht alle von der Entwicklung und so gibt es nicht nur die glänzende Vorzeigeskyline, sondern auch sehr ärmliche Viertel. Panama Stadt verfügt über mittelamerikanisches Flair mit westlichem Einfluss.
Nachdem wir in Kanada zuletzt frieren mussten (primär Karin..), herrscht hier in Panama wieder T-Shirt Wetter. Genauer gesagt, herrscht hier ein feucht-warmes Klima, an welches wir uns erst einmal gewöhnen mussten. November ist das Ende der Regenzeit und so müssen wir nach wie vor jeden Tag mit Regengüssen und Stürmen rechnen, doch die übrige Zeit ist es schon sehr feucht-warm.
Grande fiesta in Panama:
Es ist kaum zu glauben, aber in Panama haben sie tatsächlich mehr Feiertage als im Ländle
Im November feiert sich das Land Panama selbst: die Unabhängigkeit von Spanien, die Unabhängigkeit von Kolumbien, Fest der Flagge und so weiter. Es sind so viele Feiertage, dass sogar die Einheimischen oft nicht wussten, welcher Feiertag denn heute gerade ist.
Als wir uns an unserem ersten Tag in Panama aufmachten, um die Stadt zu erkunden, waren die meisten Geschäfte geschlossen und es waren wenig Autos unterwegs. Den Grund dafür haben wir bald herausgefunden, nämlich als wir an der nächsten Strassenkreuzung in eine riesige Parade hineingelaufen sind. Richtig, es war irgendein Feiertag fürs Vaterland, welchen die Einheimischen mit einer 8-stündigen Parade, Musik, Tanz, Essen und geselligem Beisammensein feierten.
Wir haben uns unters Volk gemischt und in der brütenden Hitze den verschiedenen Schulen und Vereinigungen zugesehen, welche an der Parade mitmachten. Die einen trommelten, die anderen tanzten in Trachten, marschierten, sangen, wieder andere spielten Xylofon oder schwangen einen Stab durch die Luft. Von kleinen Kindern bis zu älteren Leuten machten viele an der stundenlangen Parade, welche durch die halbe Stadt führte, mit.
Das Altstadtviertel von Panama wird durch die vielen Kolonialbauten und schönen Plätze geprägt. Das Viertel war zum Slum verkommen, doch in einem ambitiösen Projekt ist die Regierung dabei dieses Viertel wieder aufzubauen. Viele Häuser haben schon neue Besitzer gefunden, welche die Häuser restaurieren. So entstehen Hotels, Restaurants und Läden in den schönen Kolonialbauten. Doch es besteht noch viel Potential, denn viele Häuser sind nach wie vor verfallen. Ein weiteres Ziel der Regierung ist die Sicherheit in diesem Viertel, welches über grossen touristischen Wert verfügt, zu gewährleisten. Und so war das Polizeiaufgebot enorm als wir dort waren. An praktisch jeder Strassenkreuzung waren Polizisten stationiert, andere patroullierten auf Mopeds, Velos oder zu Fuss. Also wir haben uns da nie unsicher gefühlt und konnten das Viertel in vollen Zügen geniessen. Von überall ertönte Musik, Einheimische hatten die Türen geöffnet und sassen vor ihren Häusern, Kinder rannten durch die Strassen und im kleinen, chaotischen Supermarkt hat Karin bereits ein neues ¨panamesisches¨ Lieblingsgetränk entdeckt.
Das tropische Klima und die Hitze am ersten Tag wurden uns irgendwann zu viel, so dass wir uns mit einem Fruchtsaft abkühlen und für die weitere Parade stärken mussten.
WAS für ein erster Tag in Panama! Am Abend sind wir todmüde von der Hitze und den vielen Eindrücken, aber glücklich ins Bett gefallen.
Was wäre ein Aufenthalt in Panama, ohne einen Besuch des Panamakanals? Der Verbindungskanal zwischen den beiden Weltmeeren Pazifik und Atlantik ist für Panama die wichtigste Einnahmequelle und feiert nächstes Jahr das 100-jährige Bestehen. Mit dem Jubiläum wird gleichzeitig ein neuer Kanal eröffnet, der es noch grösseren Schiffen erlaubt, die 80 km lange Schneise zu durchqueren.
Um die Landpassage zu durqueren, wurden drei Abschnitte mit Schleusen gebaut, welche die Schiffe auf den 26 Meter hohen, künstlich angelegten Fluss und See heben und es erlauben Panama zu durqueren.
Wir haben den Abschnitt Miraflores mit zwei Schleusen besucht und Lehrer Steiner erläutert den Ablauf
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Aus dem Pazifik fährt ein japanischer Frachter in die erste Schleuse hinein. Maximal Länge beträgt 294, die Breite 32 Meter. Das Schleusentor wird geschlossen und in ca. 8 Minuten wird die Schleusenkammer mit etwa 40 Mio Liter Wasser gefüllt. Das Boot steigt mit dem Wasser um 8 Meter in die Höhe.
Das obere Schleusentor (Gewicht bis zu 600 t) öffnet sich und sechs Lokomotiven ziehen und manövrieren den Frachter in die nächste Schleuse.
Dort wiederholt sich das Prozedere, so dass das Schiff den 17m hohen Mirafloresee befahren kann.
Nach dem See hebt eine weitere Schleuse die Schiffe auf den 26m hohen Gatunkanal. Der Kanal führt in den Gatunsee, von wo die Frachter mittels drei Schleusen wieder auf Meereshöhe geschleust werden und den Antlantik befahren können.
Die Schiffe zahlen nach Gewicht, was durchschnittlich 24 000 Dollar für die 15-Stunden Fahrt durch den Panamakanal ausmacht. Ohne den Kanal wäre die Reise um Kap Horn bis zu drei Wochen länger.
Noch Fragen?
Panama Stadt hat uns positiv überrascht und sehr gut gefallen, so dass wir sogar noch etwas länger als geplant geblieben sind. Doch nach dem Lärm der Grossstadt stand uns irgendwann der Sinn mehr nach etwas Ruhigerem. Also nichts wie los entlang der Pazifikküste nach Las Lajas. Wie wir uns das bereits von Südamerika her gewohnt waren, ist das Haupttransportmittel hier der Bus, welchen Touristen und Einheimische gleichermassen nutzen. Im auf Tiefkühltemperatur heruntergekühlten, doppelstöckigen Bus reisten wir in ca. 6 Stunden vorbei an kleinen Dörfern umgeben von Bananen-, Mango- und Papayabäumen, durch hügliges Gebiet mit reicher Vegetation, über braune, tosende Flüsse von Panama Stadt nach Las Lajas. Mit dabei waren natürlich auch der obligate Mittagshalt in Santiago, wo wir uns direkt vor dem Bus mit einem günstigen und sehr guten einheimischen Mittagessen verpflegten, sowie eine Polizeikontrolle unterwegs.
Las Lajas – das ist eine Hand voll Häuser inmitten einer üppigen Vegetation bei einem kilometerlangen Sandstrand. Diese Perle wäre andernorts mit Hotelkomplexen zugepflastert. Doch Massentourismus in Las Lajas? Fehlanzeige (mindestens bis jetzt….).
In Las Lajas haben sich ein paar ausgewanderte Italiener niedergelassen und die italienische Küche inklusive einer Gelateria mitgebracht sowie ein paar Unterkünfte aufgebaut.
Wir übernachten in ¨La pepita de maranon¨, im Haus von Erika und Fabio. Auch sie stammen ursprünglich aus Italien und sind nur per Zufall in Panama gelandet. Sie wären auch nach Thailand, Kuba, Kolumbien etc. ausgewandert (Hauptsache weg aus Italien), doch in Panama sei die Immigration am einfachsten und die Infrastruktur am besten gewesen. Das Haus haben sie mit Materialien aus der Region und mit der Hilfe von Einheimischen selbst gebaut. Derzeit sind sie daran ein zweites Cottage, dessen Wände aus leeren Glasflaschen bestehen, zu bauen. Erfindergeist ist alles.
Ferienfeeling und keine Touristen weit und breit am breiten Strand von Las Lajas:
Im einzigen Hotel am Strand von Las Lajas schlürfen wir einen erfrischenden Mangosaft während unser Blick auf die reiche Vegetation, den Strand und das Meer fällt. Entspannung pur
Während des Tages brannte die Sonne, doch am späteren Nachmittag tobten meist Stürme mit starken Regengüsse über die Gegend. Doch das Ende der Regenzeit ist nahe.
Bis jetzt hatten wir uns mit unseren (spärlichen) Spanischkenntnissen zwar durchschlagen können, doch die Panamenos sprechen nicht nur extrem schnell, sondern haben ihre ganz eigene Sprache. Die meisten Worte kürzen sie ab, so dass es meist extrem schwer ist überhaupt irgendetwas zu verstehen. Nach einer Woche in Panama ist es für uns höchste Zeit für einen etwas tieferen Einblick in die Sprache und Kultur des Landes. Nächste Station: Habla Ya – eine Sprachschule in Boquete (eine kleine Stadt in den Bergen) inklusive Unterkunft bei einer einheimischen Familie






















