Wann immer wir Einheimische trafen und sie nach der schönsten Stadt in Japan fragten, kam die Antwort blitzschnell:¨Kyoto!¨. Fragten wir hingegen, was es denn in der Grossstadt Osaka, nicht unweit von Kyoto gelegen, zu sehen gäbe, so wussten selbst die Bewohner der Stadt nach mehreren Minuten grübeln nichts zu antworten. Zu sehen gab es wirklich nicht viel, wie wir feststellten, als wir nach unserem Flug von Okinawa für ein paar Nächte hier Halt machten. Dass unser Mini-Mini-Appartment, welches wir für unseren kurzen Aufenthalt hier gemietet hatten, mitten im Rotlichtviertel (typisch japanisch, findet dies natürlich alles im Versteckten statt und so sind die ¨Vergnügungsstudios¨ sehr dezent angeschrieben) gelegen war, merkten wir erst, als die meist in rosarot gekleideten älteren Damen am Eingang zu den einschlägigen Lokalen Christian immer so freundlich zuwinkten, wenn wir am Abend auf die Strasse gingen…. In Osaka hielt uns nichts und so reihten wir uns in die Schlange für den Zug ins ca. 1 Stunde entfernte Kyoto ein. Die Züge von Osaka nach Kyoto fahren praktisch im Minutentakt, die Länge der Zugfahrt hängt dann jedoch stark davon ab, welchen Zug man nimmt: Da gibt es einen lokalen Zug, einen Express, einen limitierten Express, einen Schnellzug, ein speziellen Schnellzug etc. vom Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen fangen wir jetzt gar nicht an. Ist der limitierte Express schneller als der Express oder der spezielle Schnellzug? Ja, am Anfang ist es nicht so simpel als Tourist das System zu durchblicken. Doch hat man das erst geschafft, so ist das Reisen ein Kinderspiel. Damit alles japanisch-effizient ablaufen und der dichte Fahrplan eingehalten werden kann, gilt es selbstverständlich auch, sich in die richtige der verschiedenen Schlangen zum Einsteigen in den Zug einzureihen…
Die japanischen Städte sind jeweils topmodern, da kann man nicht in jedem Städtchen durch eine Altstadt flanieren wie in der Schweiz. Doch in Kyoto, der historisch und kulturell bedeutendsten Stadt des Landes, fühlt man sich wie in eine vergangene Zeit zurückversetzt. Da gibt es ein wunderschönes Altstadtquartier mit schmucken Gässchen,
viele Tempel und japanische Gärten,
und natürlich das spätestens seit dem Buch und Film bekannte Geisha Quartier.
Unser Zimmer im Guesthouse Kiyomizu Sannenzaka war brandneu und für japanische Verhältnisse riesengross, doch fantastisch wurde die Unterkunft erst durch die ausserordentlich hilfsbereite einheimische Besitzerin und die sensationelle Lage in einem ruhigen Gässchen des Altstadtquartiers. Während des Tages zwängten sich jeweils Hunderte von Touristen durch die Gässchen. Viele der japanischen Touristen spazieren bei ihrem Besuch in Kyoto schön hergerichtet im Kimono und den traditionellen Holzsandalen durch die historische Stadt. Hierfür gibt es extra Packages, wo man von der kunstvoll geflochtenen Frisur, übers Makeup bis zur Miete des Kimonos für einen Tag alles dabei hat. Die zierlichen, japanischen Frauen sahen (einmal mehr) hervorragend aus, bei ihrer männlicher Begleitung wirkte der Kimono für uns etwas gewöhnungsbedürftig.
Sobald die Shops am Abend ihre Waren hereingeräumt und ihre Türen geschlossen hatten, leerte sich das Quartier und gehörte bald den Einheimischen, welche sich bei ihrem Abendspaziergang auf einen Schwatz trafen.
Die top Sehenswürdigkeit in Kyoto ist der Goldene Tempel. So waren wir denn auch nicht die einzigen Besucher dort, obwohl wir früh am Morgen unterwegs waren.
Für die Schüler Japans gehört ein Besuch der Tempel in Kyoto zum Geschichtsunterricht und so waren unzählige Busse mit Schülergruppen unterwegs. Doch anstatt den Tempel zu betrachten, blieben die Schüler staunend und kichernd vor Christian stehen. Schlussendlich traute sich die Mutigste der Gruppe nach vorne, deutete auf Christians blaue Augen und sagte: ¨Beautiful!¨ (¨Schön!¨). Christian, geschmeichelt vom Kompliment, wollte sich gerade bedanken, als das Mädchen auf seine Nase zeigte, in der Luft mit der Hand eine riesige Pinocchio-Nase zeichnete und sagte: ¨Huge¨ (¨riesengross¨)
Christian wandte sich daraufhin lieber wieder der Betrachtung des goldenen Tempels zu…
Winzig kamen wir uns im Bambuswald vor.
Wir spazierten durch die vielen Tempelanlagen, genossen das japanische Flair sowie die schöne Aussicht auf die Stadt und liessen uns dabei die warme Septembersonne auf die Köpfe scheinen. Es war zwar immer noch warm, doch im Vergleich zu Okinawa herrschten hier kühlere Temperaturen.
Die ¨Blätter¨ dieses Baums in einem Tempelgarten bestehen aus unzähligen gefalteten Kranichen.
Abends unterwegs im Geisha Quartier mit den typisch japanischen Häusern.
Wer nicht wie wir zu Fuss alles entdecken wollte, der konnte sich auch einen sportlichen Burschen mitsamt Wagen mieten, der einem von Attraktion zu Attraktion chauffierte.
Kyoto ist in ganz Japan bekannt für seine Süssspeisen. Oh ja, ein Paradies für Karin
Und wie es der Zufall wollte, waren im Altstadtquartier, in welchem wir nächtigten, die meisten Läden mit Süsswaren untergebracht. Praktischerweise konnte man sich in fast allen Läden durchs Sortiment degustieren. Ein süsses Znüni, Zvieri oder Dessert und das erst noch gratis
Eine Spezialität sind Teigdreiecke mit verschiedenen Füllungen. Von Grüntee über schwarzen Sesam bis zu Süsskartoffeln gibt es da alles. Aber wir mochten auch die Grüntee-Kekse mit weisser Schokolade gefüllt, das Grüntee-Glace und und und. Einziger Nachteil: Die Suchtgefahr ist bei diesen Leckereien gross
Ihr seht, in ¨unserem¨ Altstadtquartier gab es alles was das Herz begehrte: Herzige Gässchen, Tempel, viel Charme und kostenlose Desserts… Uns gefielen zwar auch andere Sehenswürdigkeiten in Kyoto, doch am allerliebsten schlenderten wir durch die Strässchen unserers Quartiers.
Schweren Herzens (und mit einer letzten Hand voller Teigdreiecken
) verliessen wir Kyoto nach einer zauberhaften Woche hier und reisten weiter ins Städtchen Nara.
Auch Nara ist ein historisch bedeutendes Städtchen, war der Ort doch im 8. Jahrhundert die Hauptstadt Japans, bevor er von Kyoto abgelöst wurde. Aus dieser Zeit stammen auch viele der wunderschönen Anlagen mit entspannenden Gärten, Tempeln und historischen Gebäuden.
Fand sie es am Anfang noch etwas seltsam, so hat Karin die asiatische Art des Sonnenschutzes – mit Schirm anstatt mit Sonnenhut – inzwischen selbst übernommen.
Während des Tages waren jeweils viele Touristen unterwegs in Nara, wobei es uns schien, dass diese mehr an den frei herumlaufenden Hirschen, als an den Tempeln interessiert waren.
Vom Schulmädchen bis zum gestandenen Geschäftsmann mit Aktentasche hatten alle ein riesiges Gaudi, die Hirsche zu füttern. Auf uns wirkte das Spektakel etwas befremdlich und auch die Hinweisschilder mit Sätzen wie ¨Die Hirsche von Nara sind wilde Tiere, füttert sie nur mit Hirsch-Keksen¨ fanden wir etwas seltsam. Die Verkaufsstände mit Hirsch-Keksen waren zwar der Renner, doch wer die Kekse nicht gerade zur Hand hatte, fütterte den Hirschen von M&M über Pommes Chips bis zu Plastiktüten einfach alles. Einmal mehr mussten wir feststellen, dass die japanische Vorstellung von ¨wilder Natur¨ nicht mit der schweizerischen übereinstimmt…
Waren dann die Tagestouristen zurück in ihre Hotels in Osaka und Kyoto zurückgekehrt, so hatten es nicht nur die Hirsche friedlicher,
sondern auch wir konnten die Abendstimmung in den schönen Anlagen ohne Touristenmassen geniessen. Eine fabelhafte Kulisse für ein frisches Sushi-Plättchen zum Znacht! Im Gegensatz zur Schweiz, wo man für frische Sushi tief in die Tasche greifen muss, ist die japanische Spezialität hier jederzeit frisch und sehr günstig zu haben.
¨Nur noch ein Mal schlafen und wir sehen den Mount Fuji¨ dachten wir, als wir nach ein paar Tagen in Nara in den Nachtbus zum Mount Fuji, dem bedeutendsten Berg Japans, einstiegen.




























