Der bekannte Markha Valley Trek

Der Trek durchs Markha Tal gilt als der bekannteste in Ladakh. Man hatte uns gesagt, dass der Weg in den Hochsaisonmonaten Juli und August einer Autobahn gleiche. Wie gut also, dass wir vor den Massen hier sind! Während den letzten beiden Treks hatten wir nur drei andere Wanderer getroffen (ein Kanadier und zwei Westschweizer) – also alles andere als eine Völkerwanderung.

Erinnert ihr euch an den Fahrer, welcher uns zum Ausgangsort unseres ersten Treks brachte? Wir atmeten erleichtert auf, als wir sahen, dass wir dieses Mal einen anderen Fahrer hatten. Doch nicht für lange. Als wir die hektischen Strassen Lehs, auf welchen gewöhnlich ein Chaos aus Jeeps, Motorrädern, Bussen, Kühen, Eseln und Fussgängern herrscht, hinter uns gelassen hatten, drehte sich unser Fahrer um und schrie ¨Hello, Sir! How are you?¨. Gerade so als hätte er erst jetzt bemerkt, dass er Fahrgäste an Bord hatte. Christian antwortete freundlich (bei der muslimischen Bevölkerung hier in Ladakh ist es normal, dass sie nur den Mann ansprechen. Etwas an das sich Karin schlecht gewöhnen konnte. Dafür herrscht bei der buddhistischen Bevölkerung Ladakhs – und bei diesen sind wir während unserer Treks unterwegs – Gleichberechtigung. So bekochte uns zum Beispiel bei den Homestays mal der Mann, mal die Frau während der Partner auf dem Feld arbeitete) und dann genossen wir wieder die Aussicht auf die karge Gegend. Nach ca. 20 Minuten zuckten wir jedoch wieder zusammen, als unser Fahrer aus voller Kehle brüllte ¨Hello Sir! How are you?¨. Zu allem Übel drehte er sich dabei zu uns um, obwohl wir auf einer schmalen, kurvigen Strasse oberhalb einer Schlucht unterwegs waren. Als der Abgrund gefährlich nahe kam, war es an uns zu schreien. Da wendete sich der Fahrer zum Glück wieder der Strasse zu und sang ziemlich falsch, aber aus voller Inbrunst ein Liedchen. Selbstverständlich drehte er sich wenig später wieder zu uns um und schrie…..Ja, ihr könnt euch sicher vorstellen was. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob er betrunken war (auf jeden Fall packte er hektisch ein Pfefferminzbonbon aus, als wir an einem Checkpoint anhalten mussten) oder ob er einfach ein schräger Vogel war. Auf jeden Fall waren wir einmal mehr froh, als wir den Ausgangspunkt des Treks erreicht hatten und aussteigen konnten. Die Taxifahrer Ladakhs sind definitiv ein Erlebnis für welches man starke Nerven braucht!

Gestern hatte in Leh noch ein Schneesturm getobt, doch heute konnten wir bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel unseren 8-tägigen Trek in Angriff nehmen. Unterwegs verdrückten wir die aus Leh mitgebrachten Zimtschnecken (mmmh, die Bäckereien in Leh sind ein Traum!) und erreichten dann viel früher als erwartet den ¨Ort¨ Yururtse, welcher aus nur einem Haus besteht. Gut für uns, dass wir die ersten waren, denn so bekamen wir eines der Gästezimmer während andere Trekker draussen in spontan aufgestellten Zelten übernachten mussten. Wir fragten uns, wie es hier wohl in der Hochsaison, wenn es von Trekkern wimmelt, aussehen mag?

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Frisch gestärkt nach ein paar Chapattis (Fladenbrot) mit Honig machten wir uns am nächsten Tag gut gelaunt auf den Weg, obschon uns heute bereits einer der strengsten Wandertage des Treks bevorstand. Zuerst galt es den 4870 m hohen Ganda La Pass zu überqueren und dann stand uns ein langer Abstieg ins eigentliche Markha Tal bevor.

Die Sonne schien bereits warm, als wir langsam (die dünne Luft merkt man in dieser Höhe bereits gut) bergauf wanderten, dicke Murmeltiere sonnten sich im Gras, der Schnee glitzerte auf den Bergspitzen und dann waren wir schon -viel früher als gedacht- auf dem Pass.

Hier waren wir nicht die einzigen…

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Während wir unser Gepäck selber tragen und bei den Einheimischen in Homestays übernachten, sind andere Touristen mit einer ganzen Karawane aus Lasttieren, Guide, Koch, Pferdemann etc. unterwegs. So trafen wir auf dem Pass auf die sieben Ponys, vier Esel und eine ganze Mannschaft aus Einheimischen, welche alle dafür arbeiten, den Trek für nur einen (!) englischen Gast so angenehm wie möglich zu machen. Einer der Esel versuchte rasch mit Karin Freundschaft zu schliessen – hatte er es aber wohl mehr auf ihr Mittagessen abgesehen.

DSC01773Vorbei an Ziegenherden mit ihren Hirten ging es bergab bis wir die grünen Felder eines kleinen Dorfes entdeckten. Die ältere Frau hatte ihr Teezelt für diese Saison erst gerade in Betrieb genommen und freute sich sehr über unseren Besuch.

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Wir fühlten uns eigentlich noch ganz frisch und so entschieden wir uns weiterzuwandern und erst im nächsten Dorf zu übernachten. Der Abstieg entpuppte sich dann aber als sehr streng und heiss, da wir durch einen langen Canyon, in welchem die Sonne erbarmungslos auf uns niederbrannte, wandern mussten.

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Was gibt es Schöneres als nach einem anstrengenden, heissen Wandertag ein erfrischendes Bad im gletscherkalten Fluss zu nehmen?

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Wir genossen jeweils unser Freiluftbadezimmer.

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Oh Sara! Wie froh waren wir, als wir nach einer langen Wanderzeit in der heissen Sonne ohne Chance auf Schatten, die zwei Häuser des Ortes Sara erblickten! Umgeben von grünen Feldern und direkt am Fluss gelegen, wirkte es auf uns wie eine Oase. Zuerst einmal stürzten wir uns mitsamt unseren verschwitzten Kleidern in den Fluss, dann legten wir die Füsse hoch und genossen bei einem Pfefferminztee mit frischen Kräutern aus dem Garten, die Ruhe und ein gutes Buch.

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Die vielen Sonnenstunden wissen die Einheimischen zu nutzen, wie zum Beispiel hier zum Kochen des Teewassers. Dieser parabolähnliche Spiegel bündelt die Sonnenstrahlen und hält das Wasser warm.

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Etwas grün im trockenen Ladakh. Dank des Flusses, welcher durchs Markha Tal fliesst, verfügt das Tal über Abschnitte mit grünen Feldern und Büschen.

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Auf den letzten Treks hatten uns die Einheimischen immer geklagt, dass das Schmelzwasser in diesem Jahr einfach nicht komme, was natürlich ein Problem für die Bewässerung ihrer Felder darstellt. Nun ja, jetzt ist es da! Während wir auf dem Markha Trek unterwegs waren, schwollen die Flüsse plötzlich stark an. Wir wir später erfuhren, donnerte eine richtige Schlammlawine ins Tal bevor das viele Wasser folgte.

Der Wanderweg führte einmal am rechten, ein anderes Mal am linken Flussufer entlang. Brücken? Sind selten vorhanden. Entsprechend galt es mehrmals am Tag den Fluss zu überqueren. Was nach so viel Übung übrigens sogar Karin (ansonsten bekannt dafür, dass sie bei jeglichen Bach-und Flussüberquerungen ausrutscht und dann plitschnass weiterwandern muss) im Griff hatte.

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Wie schon während unserer letzten Treks übernachteten wir auch im Markha Tal bei Einheimischen und konnten so manchen Einblick ins einfache Leben der buddhistischen Dorfbevölkerung erhalten. Sei es beim Frühstück in der Küche (dem Treffpunkt der ganzen Familie),

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bei der Arbeit auf dem Feld mit einfachsten Hilfsmitteln,

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beim Zubereiten von Momos (mit Gemüse gefüllte Teigtaschen) fürs Nachtessen,

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bei der Arbeit mit ihren Tieren,

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beim “Plaudern” mit der Grossmutter mit Händen und Füssen oder beim Bilderbuch anschauen mit den Kleinsten.

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Das Leben der Einheimischen ist einfach, die Arbeit auf dem Feld mit simplen Hilfsmitteln hart. Doch der Gesang der Einheimischen, welche auf den Feldern arbeiten, hat uns bei vielen Wanderungen begleitet. Die Gemeinschaft ist hier sehr wichtig und so helfen alle einander, egal ob es um den Bau eines neuen Hauses oder die Bestellung der Felder geht. Und so singen sie zusammen Mantras während sie schwere Lehmziegel auf ihrem Rücken schleppen oder den Ochsen vor dem Pflug führen. Wieder konnten wir so viele nette, herzliche und fröhliche Einheimische kennenerlenen auf diesem Trek. Tja und dann stand per Zufall gleich noch dieses schmucke Häuschen zum Verkauf, so dass wir uns spontan entschieden haben, uns hier im Markha Tal niederzulassen. Besuch aus der Schweiz ist natürlich jederzeit herzlich Willkommen!

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Die niedrigen Wände der Häuser hier waren dann aber für Christian doch ein Problem und so entschieden wir uns weiterzuwandern und das Häuschen dem nächsten Hirten zu schenken ;-)

Auf den ersten Blick wirkte das Dörfchen Hankar unscheinbar, doch als wir erst den steilen Aufstieg zur ehemaligen Festung überwunden hatten, erstreckten sich grüne Felder, spitze Felsen und ein paar Lehmhütten vor uns.

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So wanderten wir einige Tage hinauf durchs Markha Tal und stiegen immer höher. Nimaling, der letzte Übernachtungsort vor der Passüberquerung liegt bereits auf 4730m. Da hier keine Einheimischen mehr wohnen, wird in einfachen, fix installierten Zelten übernachtet.

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Beim Aufstieg kreuzten immer mal wieder Yaks, Tibetan Argali und eine Art Hamster (den Namen dieser Tiere haben wir leider vergessen) unseren Weg.

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Die Aussicht auf die trockene Hochebene, die umliegenden mit Schnee bedeckten Berge, die grasenden Ziegen und Yaks konnten wir direkt von unserem Zelt aus geniessen und gefiel uns sehr gut.

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Die Nacht war dann allerdings weniger schön als die Aussicht… Als einzige Unterlage im Zelt hatten wir eine dünne Decke zur Verfügung, es war eisig kalt und auch die dünne Luft merkten wir. Wir waren froh, als die ersten Sonnenstrahlen am nächsten Morgen über die Bergwipfel drangen und wir aufstehen konnten. Allerdings ging es uns bedeutend besser als vielen anderen Trekkern, welche teilweise stark mit der Höhenkrankheit zu kämpfen hatten und vor Kopfschmerzen und Atemnot kein Auge zugemacht hatten.

Von der Zeltstadt wanderten wir langsam bergauf auf den 5130m hohen Gongmaru La. Der Sauerstoffmangel ist hier spürbar und macht ein rasches Wandern unmöglich. Doch wir fühlten uns trotz der schlechten Nacht fit und waren gut unterwegs.

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Und dann konnten wir einmal mehr die schöne Aussicht auf die umliegenden Berge geniessen.

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Nun stand uns noch der steile Abstieg über Wiesen, durch Geröll, eine Schlucht sowie zahlreiche Flussüberquerungen bevor. Beflügelt von den schönen Erlebnissen des Markha Treks und der Natur schwebten wir allerdings fast talwärts und erreichten so viel früher als geplant das Dorf zu welchem die Strasse führt.

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Wir hatten im Voraus keinen Transport gebucht (zu teuer), ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Trekkern. Und so warteten bereits einige Taxis auf ihre Kunden, die jedoch Stunden hinter uns noch am wandern waren. Also schnappten wir uns zusammen mit einem anderen Wanderer eines der herumstehenden Taxis und waren bereits am frühen Nachmittag (und einen Tag früher als geplant) zurück in Leh. Für diese Nacht wollten wir uns ein besseres Hotel, als das einfache Guesthouse, in welchem wir bis jetzt in Leh übernachtet hatten, gönnen. Christians Anforderung: Einen Fernseher sollte das Zimmer haben, wollte er doch den WM Fussballmatch Schweiz gegen Frankreich schauen. Karin hingegen wünschte sich eine heisse Dusche. Dass es auf den Treks keine Dusche gibt, ist ja klar. Doch auch unser Guesthouse in Leh bot höchstens leicht warmes Wasser, was bei den kühlen Temperaturen nicht immer angenehm ist. Ein Hotel hatten wir schnell gefunden (hat es doch nach wie vor wenige Touristen in Leh), den Preis rasch runtergehandelt, doch Karins Natel blieb für immer verschollen. Eine Sekunde Unachtsamkeit und so kann einem sogar in den Bergen Ladakhs das Natel geklaut werden.

Aufgrund der Zeitverschiebung begann das WM Spiel hier in Leh erst nach Mitternacht. Zu dieser Zeit war Karin, trotz bester Vorsätze, bereits von der Müdigkeit übermannt worden und im weichen Bett im Tiefschlaf. Der Strom hielt durch (eine Seltenheit hier in Leh, wo der Strom mehrmals täglich für längere Zeit ausfällt) und so kam Christian zu einem torreichen WM Spiel, welches ihn um einiges mehr schmerzte als der Aufstieg zum bewältigten Gongmaru Pass ;-)

Eine Antwort auf Der bekannte Markha Valley Trek

  1. Jarda Borovicka sagt:

    Hallo Karin und Christian,
    Wir haben euch in Sara getroffen, auf dem Trek in Markha Valley. Unser Urlaub is leider zu Ende, aber wir hoffen, dass ihr Indien immer noch geniesst! Viel Spass, und solltet ihr nach New York kommen, lasst uns wissen!
    Katka und Jarda

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