Tso moriri Trek: Auf den Spuren der Nomaden

Auf den Trek vom Dörfchen Rumtse auf den Spuren der Nomaden über Hochebenen, hohe Pässe, vorbei an einem Salzsee und an wilden Eseln zum Tso moriri See freuten wir uns wie verrückt. Sollte dies der Höhepunkt unseres Trekkingsommers in Ladakh werden?

DSC02229Der Trek führt durch abgelegene Regionen, weshalb wir unterwegs nicht wie bei den anderen Treks in Homestays übernachten können, sondern mit Zelt und Pferden unterwegs sein werden. Ursprünglich hatten wir uns für diesen Trek einer Gruppe anschliessen wollen, um die Kosten zu senken. Wer Zeit hat, bucht für seine Trekkingferien in Ladakh nur einen Flug nach Leh und organisiert dann hier vor Ort seine Treks, was bedeutend günstiger ist, als wenn man ein fixfertiges Paket von Europa aus bucht, aber natürlich auch aufwändiger. Die Trekkingagenturen in Leh sind zahlreich und mit der Hochsaison werden auch Nachrichten mit der Suche nach Trekkingspartnern, welche an den schwarzen Brettern der Agenturen auf der Strasse hängen, immer häufiger. Nachdem wir nun schon längere Zeit in Ländern, in welchen handeln einfach dazugehört, unterwegs sind, haben auch wir die Kunst des Handelns etwas gelernt. Und so kam es, dass wir auf der Suche nach Trekkingpartnern in einer der zahlreichen Agenturen den Preis so weit herunterhandeln konnten, dass ein Trek zu zweit günstiger kam, als wenn wir uns einer Gruppe angeschlossen hätten. Da brauchten wir nicht zwei Mal zu überlegen, was wir lieber haben :-)

Ja, Trekkingagenturen gibt es in Leh wie Sand am Meer. Ob man allerdings eine gute Unternehmung ausgewählt hat, findet man meist erst auf dem Trek heraus. (Hier noch ein Schmankerl in was unsere Erfahrung mit einer Trekkingagentur betrifft: Auf der Suche nach Trekkingpartnern für den Tso moriri Trek haben wir bei einer Agentur mit dem prominentesten Standort in Leh einen Anschlag am schwarzen Brett hinterlassen. Wir waren uns sicher, dass bei dieser prominenten Lage direkt an der Hauptstrasse, sicherlich viele andere Trekker darauf aufmerksam würden und wir rasch eine Gruppe beeinander hätten. Als wir allerdings am nächsten Tag wieder bei der Agentur vorbeigingen, erwartete uns eine Baustelle. Mitten in der Hochsaison und ohne Vorwarnung hatten sie entschieden ihr Büro umzubauen und neu zu streichen. In den folgenden zwei Wochen verirrte sich dann wohl kein Trekker mehr in die Agentur und auch die Mitarbeiter hatten Wichtigeres zu tun. Der tibetische Mitarbeiter nahm am buddhistischen Kalachakra Fest teil und der muslimische Mitarbeiter aus dem Kashmir baggerte Westlerinnen an, um sich über seine gescheiterte Ehe hinwegzutrösten. Es versteht sich wohl von selbst, dass wir uns nach einer anderen Agentur umgesehen haben…). Als wir zwei Tage vor dem Trek nochmals in der Agentur vorbeigingen, wirkte der Tourmanager Salim etwas überrascht und plauderte irgendetwas daher, wie schwer es sei in Rumtse (dem Ausgangsort unseres Treks) einen Pferdemann zu finden. Denn im Moment findet das Kalachakra Fest mit dem Dalai Lama in der Nähe von Leh statt, an welchem die buddhistischen Einwohner von Rumtse teilnehmen wollen. Die ganze Geschichte wirkte etwas an den Haaren herbeigezogen. Hatte er etwa vergessen alles für unseren Trek zu organisieren?

Doch wir hatten Glück! Schlussendlich klappte alles bestens und so waren wir zwei Tage später mit einer Bewilligung der indischen Regierung im Sack und zusammen mit unserem ¨Trekking Team¨ unterwegs nach Rumtse. Dort wartete bereits der einheimische Pferdemann mit seinen 5 Pferden, welche die Ausrüstung, das Essen und unsere Sachen während dem Trek tragen würden. Nun war unser Team komplett: Romi (links), Laxman (Mitte), Pferdemann (rechts).

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Romi, unser Guide und Koch, übte unterwegs lautstark nepalische Volkslieder, träumte von seinen Zukunftsplänen (ob mit dem Fahrrad um die Welt gegen den Klimawandel, die Erschliessung von neuen Treks in Nepal oder die Weiterentwicklung seines bereits eröffneten Restaurants in Goa, da sieht er viele Möglichkeiten. Nur die von seiner Familie ausgesuchten potentiellen Ehefrauen für eine arrangierte Ehe interessieren ihn im Moment nicht – sehr zum Leidwesen seiner Mutter. Gehört er doch mit 30ig in Punkto Heirat schon zum alten Eisen…) und verwöhnte uns jeden Tag mit frisch zubereitetem Essen.

Laxman, der junge Helfer aus Nepal, feierte auf dem Trek seinen 20igsten Geburtstag und weckte uns jeden Morgen mit einer Tasse heissem Tee, welche er uns zum Zelt brachte. Er sprach wenig Englisch, doch taute im Verlauf des Treks immer mehr auf. Er kennt jetzt ¨Tschau Sepp¨ und wir kennen nepalische Kartenspiele. Er half wo immer nötig, war engagiert, doch auch sehr glücklich als wir zurück in Leh waren und er sein Natel aufladen konnte.

Der einheimische Pferdemann aus dem Dörfchen Rumtse. Ein gütiger, älterer Herr, Vater von zwei Kindern. Er sprach wenig und traute sich selten ins Essenszelt wenn wir da waren. Die Nachmittage verbrachte er zusammen mit den Pferdemännern von anderen Treks mit einem Tee in der Sonne vor dem Zelt und jeden Morgen wenn wir aufstanden, hörten wir ihn Mantras vor sich hinsingen während der die Pferde bereitmachte.

Ihr möchtet nun sicher ein paar Bilder des Treks sehen und so verzichten wir jetzt darauf, noch jedes einzelne Pferd vorzustellen ;-)

DSC02236Es kann losgehen! Die Sonne brannte bereits heiss, als wir am späteren Vormittag loswanderten. Heute war eigentlich ein gemütlicher Einstiegstag. Die Wanderung zu unserem ersten Übernachtungsort war nur ein paar Stunden lang und es ging nur leicht bergauf. Doch Karin, die in Leh immer wieder mit Magenproblemen zu kämpfen gehabt und daher die meiste Zeit im Bett verbracht hatte, fühlte sich sehr schlapp und so kam unser Mittagshalt bei einer Ziegeherde mit ihren Hirten gerade richtig. Die Ziegen in diesem Gebiet sind bekannt für ihre besonders feine Wolle – die Pashminawolle. Diese findet man zu Schals verarbeitet und in jeglichen Kombinationen mit anderen Materialien wie zum Beispiel Seide, in Shops in Leh und auf der ganzen Welt. Besonders erfolgreich ist die Zusammenarbeit der Hirten mit den Webern aus dem Kashmir (diese gelten als die Besten weit und breit). Diese verarbeiten die feine Wolle und daraus entstehen Kashmirpullover oder -schäle. Übrigens, wer Fragen zum Thema hat, kann sich gerne an Christian wenden. Nach dem Besuch von etwa 20ig Läden mit Schals in Leh, ist er inzwischen ein Spezialist was die Materialien betrifft. Ob Pashmina vom Hals des Tieres, Pashmina vom Bauch, Seide & Pashmina, Kashmir-Pashmina etc. ihm kann da keiner mehr etwas vormachen. Er fachsimpelte jeweils mit den Ladenbesitzern, welche nicht verstehen konnten, weshalb Karin der beige-braune Schal nicht gefiel obwohl es doch die beste Qualität ist (schon mal was von Farben, Design und Mode gehört, Jungs?).

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Nach einem stärkenden gekochten Ei und Schokolade zum Zmittag ging es für uns weiter talaufwärts vorbei an trockenen Bergketten bis zu einem grünen Flecken im Talboden – unserem heutigen Übernachtungsort. Bis die Pferde mit der ganzen Ausrüstung ankamen, genossen wir ein erfrischendes Fussbad im Bach und ein Schläfchen in der Sonne.

¨Für euch haben wir ein echtes indisches Qualitätszelt¨, erklärte unser Guide Romi, als er uns half den Abfall unserer Vorgänger aus dem Zelt zu schütteln und die schweren Eisenstangen (definitiv ein anderes Zelterlebnis im Vergleich zu unserem Leichtgewicht-Hilleberg-Zelt, welches wir bis Ende Neuseeland dabei hatten :-) ) zusammenzustecken. Im Vergleich zum ziemlich verschlissenen Essenszelt, welches nicht nur als Küche und Esszimmer sondern auch als Nachtlager für unsere Helfer fungierte, mochte das durchaus stimmen. In wie weit das Zelt allerdings Sturm und Regen standhalten würde, waren wir uns nicht so sicher…

DSC02423 Wir machten es uns mit einer Tasse frischem Kardamon-Tee, einem Snack und unseren neusten Errungenschaften aus dem Buchladen in Leh vor dem Zelt gemütlich. Wir genossen die Sonne während die Pferde friedlich um uns herum grasten und ein Bach neben uns rauschte. Entspannung pur!

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Romi und Laxman verzogen sich währenddessen ins Kochzelt, um unser Nachtessen zuzubereiten. Wir hatten uns auf 9 Tage mit Linsen und Reis eingestellt, wurden jedoch von unserem Team sehr positiv überrascht. Romi hatte sehr viele frische Produkte auf dem Markt eingekauft und entpuppte sich als fabelhafter Koch. Stundelang verbrachte er in der Kauerstellung am Boden des Kochzelts, schnippelte zusammen mit Laxman Gemüse oder briet auf einem der zwei Benzin-Kocher Paneer (eine Art Käse) an. Wir staunten immer was für vielseitige Menus er mit den einfachen Hilfsmitteln zaubern konnte. Mal gab es ein indisches Menu, dann chinesisches, tibetisches und sogar westliches Essen. Für Auswahl war bei jedem Znacht gesorgt. Es gab zum Beispiel nicht nur Spaghetti, sondern Suppe, Salat, Spaghetti mit Tomaten-und Spinatsauce, gemischtes Gemüse, gebratene Pilze und frische Mango zum Dessert. Ob frische Gemüse-Momos, Pasta, indisches Curry oder chinesische Gemüse-Bällchen in süss-sauer Sauce – alles war köstlich. Wir genossen es in vollen Zügen und schlemmten was das Zeug hielt :-)

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Der gesamte Tso moriri Trek liegt über 4500 Metern, an einigen Tagen galt es gar zwei Pässe von über 5000 Metern zu überqueren. Da wir mittlerweilen schon längere Zeit in Ladakh sind, merkten wir die Höhe nicht und konnten im normalen Wandertempo bergauf gehen ohne ausser Atem zu kommen. Auch glaubten wir es kaum hier so hoch zu sein, muteten doch die Pässe eher wie der Durannapass als wie 5500er an. Wir fühlten uns sehr fit (kein Wunder bei dem feinen Essen!) und so waren die Tagesetappen für uns richtiger Wandergenuss und kein Muss.

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Wir genossen einen fantastischen Trek von Rumtse zum Tso moriri See. Nach einer bitterkalten Nacht im Zelt wurden wir am Morgen jeweils von Laxman mit einer Tasse heissem Tee geweckt. Wenn wir uns aus dem Schlafsack sowie aus unseren 8 Schichten (Karin = 7 Schichten, Christian = 1 Schicht) geschält hatten, Karin zum Fluss gestolpert und das verschlafene Gesicht gewaschen hatte, dann stand jeweils bereits das Frühstück bereit. Wir hatten Wetterglück und so konnten wir, mit einer Ausnahme, immer in der Sonne frühstücken. Selbstverständlich war auch hier das Angebot gross, von Porridge über Toast mit der typischen Aprikosenkonfi aus Ladakh bis zu süsser Hirse und Bohnen in Tomatensauce gab es alles was das Herz begehrt.

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Nach dem Frühstück halfen wir jeweils dem Team beim abbrechen der Zelte bevor wir unsere prall gefüllte Lunchbox in den Rucksack packten und mit Romi loswanderten. Laxman und der Pferdemann blieben jeweils zurück und beluden die Pferde. Da sie jedoch sehr zügig und ohne Pausen unterwegs waren, überholten sie uns im Laufe des Tages dann wieder.

DSC02397Die Wanderungen waren sehr abwechslungsreich und die Landschaft unterschied sich von unseren anderen Treks. Mal ging es vorbei an einem Salzsee,

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mal durch ein weites Hochtal,

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taleinwärts bis zum nächsten Pass,

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talauswärts bis zum Zmittagshalt,

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vorbei an grasenden Yaks,

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oder dann wanderten wir stundenlang in der grössten Hitze durch eine wüstenähnliche Ebene ohne Chance auf nur ein kleines Fleckchen Schatten. Als wir an diesem Nachmittag bei unserem Übernachtungsort ankamen, sprangen wir sogleich mitsamt Kleidern in den Bach. Das Wasser war eiskalt, also genau das Richtige nach so einer heissen Wanderung. Und die Kleider waren damit auch gleich gewaschen.

DSC02349Es ging bergauf zu hohen Pässen, auf welchen wir herrliche Ausblicke auf zahlreiche Bergketten und unsere letzten Tagesetappen hatten.

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Immer wieder erblickten wir wilde Esel, welche uns aus sicherer Entfernung beobachteten.

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Der Übernachtungsort lag jeweils an einem Bach mit etwas Grün drumherum. Damit war nicht nur für Futter für die Pferde sondern auch für Wasser zum Kochen gesorgt. Da wir den Übernachtungsort meist bereits am frühen Nachmittag erreichten, hatten wir herrlich Zeit, um in der Sonne zu faulenzen oder zu lesen, uns im Bach abzukühlen, die Gegend noch etwas mehr zu erkunden oder einfach den Gedanken nachzuhängen und den vorbeiziehenden Wolken zuzuschauen. Unser Team liess es sich natürlich nicht nehmen uns mit einem erfrischenden Zitronen-, Zimt- oder Kardamontee sowie einem Zvieri zu versorgen.

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Schöner als in jedem 5 Stern Hotel! Ruhe, frische Luft und ganz viel Natur.

DSC02268 ¨Welches Menu erwartet uns wohl heute?¨ fragten wir uns jeweils, wenn wir am Abend zum Essenszelt, in welchem schon seit Stunden geschnippelt und gebrutzelt wurde, spazierten. Wir wurden nie enttäuscht :-)

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Die Temperaturunterschiede waren enorm, während es tagsüber sehr heiss war, wurden die Nächte jeweils bitterkalt. Wir waren froh, dass wir während des ganzen Treks mehrheitlich schönes, sonniges Wetter hatten. Nur am letzten Tag wollte sich die Sonne nicht zeigen, stattdessen verfolgte uns eine Regenfront. Leider war daher auch der Ausblick vom letzten Pass (Yalang Nyau La, 5440 Meter) auf den Tso moriri See etwas trüb. Doch dies mochte unserer guten Laune keinen Abbruch tun. Juhuiii, wir haben es geschafft!

DSC02438 Aufgrund der Regenfront waren wir umso schneller im Tal, genauer gesagt im Dörfchen Korzok. Nach so viel Abgeschiedenheit, Natur und Ruhe bekamen wir hier in der Zivilisation gleich mal einen Schock, als wir die Jeep Konvois, indische Touristen mit ihren Rollkoffern und westliche Touristen mit ihren Bierbäuchen erblickten. Unser Übernachtungsort war erst gerade von einer 20köpfigen israelischen Gruppe verlassen worden und sah entsprechend aus. Überall lagen Abfall, Schnapps-und Petflaschen herum. Etwas betrübt stellten wir rasch unser Zelt auf und flohen dann vor den Menschen und dem regnerischen Wetter in die ¨Küche¨ wo Romi bereits dabei war ein wärmendes Mittagessen zuzubereiten. Nach einer scharfen Nudelsuppe und vielen selbstgemachten Schokoladenkugeln fühlten wir uns besser. Und als sich dann gar die Sonne noch zeigte, sah alles schon viel Schöner aus.

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Wir hatten einen zusätzlichen Tag eingeplant, so dass wir genügend Zeit haben würden, um den Tso moriri See zu erkunden. Und das hat sich gelohnt! Der See schimmerte in verschiedenen Blautönen. Einige der Berge rundherum waren trocken und braun, an anderen Orten ragten Felsen wie in einem Fjord aus dem Wasser. Doch es war nicht alles trocken oder felsig, auch ein Meer voller Blumen erblickten wir am Ufer des Tso moriri Sees:

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Heute war gerade grosser Schär-Tag in Korzok und so war das halbe Dorf dabei die kostbare Pashmina-Wolle mit einfachen Scheren abzuschneiden.

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Ein perfekter Abschluss eines unvergesslichen Treks!

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Die Nomaden haben wir leider auf dem Trek nicht getroffen, sondern wir waren im wahrsten Sinne des Wortes auf ihren Spuren unterwegs. Und so haben wir nur ihre ausgelöschten Feuer, aus Steinen gebauten Mauern für ihre Jurten und den zurückgelassenen Abfall angetroffen.

Ja, andere Trekkinggruppen waren luxuriöser unterwegs als wir, hatten Tisch & Stuhl, Toilettenzelt etc. dabei. Doch wir haben uns dennoch wie Könige gefühlt und konnten einen fantastischen Trek mit viel Natur, Zeit und einem super Team geniessen. Und das ist doch der wahre Luxus.

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