Das ¨schöggala¨ ist vorbei, denn hier bei den streb-und arbeitsamen Japanern gehören auch wir wieder zur arbeitenden Bevölkerung
. Die modernen Millionenstädte Japans mussten noch warten, denn die ersten beiden Wochen in Japan wollten wir gegen Kost & Logis in einer traditionellen Unterkunft mitten auf dem Land arbeiten. Dies bot uns einen tiefen Einblick in das traditionelle japanische Leben und schonte erst noch unser Reisebudget im teuren Japan.
Unsere Gastfamilie betreibt ein altes, traditionelles, japanisches Landhaus, herrlich gelegen am Waldrand in einer ländlichen Gegend unweit der bekannten Stadt Kyoto.
Fumiaki (Japaner) und Anna (Engländerin) haben mit ihren drei Kindern ihr Haus in England für ein Jahr verlassen und die Unterkunft Yoshimizu hier in Japan als Pächter übernommen. Für sie ist es ein Abenteuer und eine Herausforderung zugleich, denn die drei lebhaften Kinder halten ihre Eltern immer auf Trab.
So war unsere Aufgabe für die nächsten 16 Tage nicht nur Bad schruppen und Fenster putzen, sondern auch die Rasselbande im Zaum zu halten.
Sora (7 Jahre alt) war der ruhigste und lernte uns jeden Tag ein paar Wörter Japanisch. Aya, seine Schwester (4,5 Jahre alt) war dafür umso lebhafter, ein Morgenmuffel, für jedes neue Spiel zu haben und berichtete Karin täglich mit leuchtenden Augen von ihren Erlebnissen in der ¨Panda-Gruppe¨(ihrer Kindergartengruppe).
Und da war da noch Syuri, auch liebevoll Shishi genannt (2 Jahre alt), ein richtiger Sonnenschein, die wir meistens unterhalten durften, damit sich die Eltern um die Gäste kümmern konnten.6
Anders als bei den anderen beiden Workaway-Aufenthalten in Kanada und Neuseeland waren hier Arbeits- und Freizeit nicht geregelt, sondern jeder Tag sah ein wenig anders aus. Hauptaufgabe war die tägliche Reinigung des Ryokans, so werden die traditionellen Unterkünfte in Japan genannt. Da aber sogar 5-köpfige Familien das Zimmer so zurückliessen, als ob gar nie jemand darin gewohnt hatte, war diese Aufgabe nicht sehr herausfordernd. Zudem waren die vier Zimmer selten ausgebucht, so dass wir auch in einem der wunderschönen Gästezimmer übernachten konnten.
Geschlafen wird auf dem Boden, der mit Reishalmen geflochtenen Tatami-Elementen belegt ist. Ein dünner Futon macht das Schlafen bequemer, als wir uns das vorgestellt hatten.
Christian in seinem Element…
Und Karin beim Reinigen des wichtigsten Bereichs, dem Eingang. Bei den Japanern die Visitenkarte für ein saubere Unterkunft.
Die Gäste bereiteten mit Hilfe von Fumiaki und Anna das Abendessen selbst zu. Fumiaki, nicht ein Mann von Effizienz, wurde jeweils ziemlich nervös und erteilte uns Aufträge im Minutentakt, um diese dann eine Minute später wieder zu ändern. Christian war meistens fürs Erhitzen des Ofens für das Bad nach dem Abenessen verantwortlich. Karin half beim Vorbereiten des Barbecues.
Das Prunkstück des Farmhauses ist der Essbereich. Um zwei Irori (offene Feuerstellen) wurden die Gäste bewirtet und meistens durften auch wir mit unseren Gastgebern am Barbecue teilhaben. Das war immer ein spezielles Erlebnis! Über der Glut, die vom eingeheizten Badofen her transportiert wurde, brieten wir verschiedenste Speisen wie Fische, Huhn, Tofu, Pilze und viel Gemüse. Dazu gab es Reis aus dem Kamado, der traditionellen Art Reis über dem Feuer zu kochen. Wir genossen die Abende und mit einer Gastfamilie aus Tokyo konnten wir uns sogar in Englisch sehr gut unterhalten. Wir stellten rasch fest, dass die Unterkunft auch für die japanischen Gäste etwas ganz Besonderes ist. Unterscheidet es sich doch stark vom Alltag in den winzigen, doch modernen Appartments in Hochhäusern in den Millionenstädten, in welchen viele Japaner leben. Erzählten wir während unserer anschliessenden Reise durch Japan vom Aufenthalt in diesem Guesthouse, so staunte so mancher Einheimische und meinte, wir können uns so glücklich schätzen, dass wir dies erleben durften. Auch sie würden sehr gerne mal so traditionell, wie ihre Grosseltern dazumals, übernachten.
So gut das Nachtessen war, so sehr hatten wir Mühe uns an das Frühstück zu gewöhnen. Oder wie würde euch Misosuppe mit Fischresten (und diese dampfende Suppe gibt es wohlgemerkt im japanischen Sommer, wenn einem bereits beim Aufstehen eine feuchte Hitze erwartet), Nato (eine schleimige Bohnenmischung) und Tofu mit Reis am Morgen früh schmecken?
Zwischendurch hatten wir auch etwas Freizeit und somit Zeit die Umgebung zu erkunden. Und so kamen wir zu unserer ersten Erfahrung mit einem Onsen – einem traditionellen, japanischen Bad. Hier gibt es, wie für fast alles in Japan, selbstverständlich genaue Regeln. Für uns bedeutete dies: 1. Ticket an der Maschine lösen (natürlich nur mit japanischen Schriftzeichen angeschrieben), 2. den richtigen Eingang finden (sprich die japanischen Schriftzeichen für ¨männlich¨/ ¨weiblich¨ richtig deuten), 3. ausziehen, 4. ins Bad stapfen (ähm ja, es herrscht also Nacktzone in einem Onsen) und sich rasch hinter einem der Waschstände verbergen und den Bikini abziehen, 5. kräftig abschrubben, 6. wechselweise im heissen und warmen Becken entspannen. Und während es im Männer-Onsen ruhig zu und her ging, tauten die älteren Japanerinnen so ganz unter sich plötzlich auf und hatten ihre helle Freude daran, mit Karin ihre spärlichen Englischkenntnisse anzuwenden.
Direkt hinter dem Guesthouse fing der Wald mit zahlreichen Wegen an. Mitten in der Pampa waren wir die einzigen Touristen und so erkannten uns jeweils vom Busfahrer bis zur Besitzerin des Gemüsestandes alle wieder wenn sie uns z.B. mal im Supermarkt antrafen. Da die Japaner lieber auf geteerten Wegen als schmalen Wanderwegen unterwegs sind, trafen wir im ¨Naherholungsgebiet¨ hinter dem Guesthouse nie eine Menschenseele. Den richtigen Weg zu finden, war eine andere Herausforderung….
Auch den höchsten Hügel der Region mussten wir natürlich erklimmen. Nach den hohen Bergen von Ladakh ein Klacks, war dieser nur mal 784m hoch. Doch die Aussicht auf die grünen Wälder genossen wir auch von hier.
Am 5. August wurden wir überrascht mit einem Geburtstagskuchen. Häh, wer hatte da denn Geburtstag? Anna hatte erfahren dass wir vor einem Jahr die Schweiz verlassen hatten und uns zu diesem Anlass zusammen mit den Kindern extra einen Kuchen gebacken. Was für eine schöne Überraschung!
Unglaublich, schon ein Jahr unterwegs und immer noch nicht reisemüde
Nein, ein Feuerwerk zum Einjährigen gabs nicht. Dieses sahen wir am 1. August mit der Familie an einem Küstenstädtchen Namens Obama. Es war eines der grössten Feuerwerke, das wir je gesehen haben. Doch Fumiaki meinte, dies sei ein Kleineres im Vergleich zu den vielen anderen, die im Sommer stattfinden. Japaner sind verrückt nach Feuerwerken. Uns wars recht, kamen wir so unverhofft zu einem Fest an unserem Nationalfeiertag.
Geniessen wollten wir auch unser arbeitsfreies Wochenende am Meer nicht weit vom Yoshimizu Guesthouse entfernt. Doch dieses fiel sprichwörtlich ins Wasser. Es goss wie aus Kübeln, als uns Fumiaki an den Busbahnhof brachte. Als wir den Zug wechseln wollten, wurde dieser gestrichen und wir wurden auf den nächsten Zug, welcher in zwei Stunden abfahren sollte, vertröstet. Dann hiess es das ganze Bahnsystem würde runtergefahren wegen einer Taifunwarnung. Es gab keine Ersatzbusse und es blieb uns nicht anderes übrig, als per Autostopp zu unserer gebuchten Unterkunft zu gelangen. Es vergingen nur einige Minuten bevor uns ein netter Japaner mitnahm. Wie wir später herausfanden, lag unser Zielort gar nicht auf der Strecke des Fahrers, doch netterweise hat er den Umweg in Kauf genommen.
Es war auch ein Ryokan, das wir gebucht hatten und da das Wetter so schlecht war, unternahmen wir nur einen Abstecher in einen Supermarkt und verbrachten den Rest in unseren Yukatas (leichtes Gewand, das im ganzen Hotel getragen wird) und relaxten zwischendurch im hauseigenen Onsen.
Vom Taifun bekamen wir nicht viel mit, es regnete einfach ununterbrochen. Da die Japaner sehr auf Sicherheit bedacht sind, fuhren auch am Sonntag keine Züge obwohl kein Windchen blies. So waren wir gezwungen noch eine Nacht länger zu bleiben, um erst am Montagmorgen für unsere zweite Arbeitswoche ins Guesthaus zurückzukehren.
Nochmals genossen wir das Familienleben in vollen Zügen. Karin machte anlässlich des Hochzeittages von Anna & Fumiaki einen feinen Dessert mit Zimtschnecken und Schokomousse. Und Christian stieg vom Babysitter zur Mutter auf (die kleine Shishi hielt ihm jeweils ihre Arme entgegen und rief MAMA).
Und dann war es schon Zeit zum Abschied nehmen. Es war ein toller Einstieg in ein anderes Japan, welches den meisten Touristen verborgen bleibt. Wir freuen uns nun, Japan zu erkunden und das Land mit den moderen Verkehrsmitteln zu bereisen…





















