Christians Gipfeleuphorie:
Fast zwei Monate genossen wir den Sommer in und rund um die hohen Berge in Nordindien. Der Körper hat sich an die Höhenlage gewöhnt und wir bewegen uns in Leh ganz natürlich, während die Neuankömmlige schwer atmend durch die Strassen stampfen.
Ich habe schon länger damit geliebäugelt einen 6000er Berg zu erklimmen. Wenn nicht hier und jetzt, wann dann? Karin hingegen fand die Idee nicht so faszinierend. Die Tourenanbieter organisiern die Besteigung des technisch nicht schwierigen 6138m hohen Stok Kangri in vier Tagen mit drei Übernachtungen. Gut anklimatisiert und erholt von unserem letzten Trek wollte ich den Berg in zwei Tagen mit nur einer Übernachtung im Base Camp versuchen. Unmöglich, hiess es zuerst bei mehreren Anbietern.
Der Stok Kangri, der höchste Berg im Stokgebirge, ist bei schönem Wetter von Leh aus immer gut zu erkennen.
Es ist schwierig, die auf Standardtouren eingestellten Verkäufer von seinen eigenen Vorstellungen zu überzeugen. Doch schliesslich willigte ein Bergführer ein das Vorhaben zu versuchen. Sein Name Bhauo, ein 19 jähriger Ladakhi aus Leh. Nicht sehr erfahren und sein Englisch eher rudimentär. Doch er war schon zwei Mal auf dem Gipfel und sein Ehrgeiz in kurzer Zeit zum dritten Mal den Berg zu erklimmen, war mindestens so gross wie meiner.
Bergführer oder hier Summit-Guides (=Gipfel-Führer) genannt sind nich zu vergleichen mit unseren gut ausgebildeten Bergführern in der Schweiz. Da der Stock Kangri aber kein gefährlicher Berg ist, brauchte ich einfach einen Begleiter für alle Fälle (sonst hätte mich Karin gar nicht gehen lassen). So nahm Bhauo den Weg zum Base Camp mit Turnschuhen unter die Füsse. Seine Wanderschuhe waren beim Schuhmacher in Leh und er meinte; ¨im Base Camp würden sich für den Gipfeltag schon Wanderschuhe finden lassen¨. In der Nacht zum Gipfel startete er mit einer Stirnlampe der Stärke einer Kerze – er hatte keine Ersatzbatterien dabei und beim steilen Aufstieg am Fusse des Berges bevorzugte er das instabile Geröll anstatt den danebenliegenden festen Firnschnee…..
An einem wunderbaren sonnigen Tag fuhren Bhauo und ich mit dem Taxi ins Örtchen Stok 3500m und starteten den Marsch Richung Base Camp 4900m. Den Gipfel immer vor Augen.
Nach einem frühem Nachtessen kroch ich bereits um 18.30 Uhr in mein Zelt mit der Hoffnung auf ein paar Stunden Schlaf, bevor kurz nach Mitternacht der Wecker ging.
Eigentlich sollte Bhauo die Porridge schon gekocht haben, so dass wir pünktlich um 01.00 Uhr hätten starten können. Aber eben… Als ich meine Porridge heruntergewürgt hatte, wollte ich einfach los, während sich mein Guide in aller Ruhe noch einen Chai Tee kochte. So nahm ich im Schein meiner Stirnlampe den ersten Anstieg alleine in Angriff und folgte einer 12-köpfigen Gruppe junger Engländer, die eine halbe Stunde vor mir gestartet war.
Die Kulisse war unglaublich. Ein sternenklarer Himmel und die Sichel des Mondes war eben hinter den Berggipfeln zum Vorschein gekommen. Vor mir der Umriss des riesigen Stok Kangri, den wir von südöstlicher Seite in Angriff nehmen wollten.
Nach einer Stunde hatte Bhauo zu mir aufgeschlossen und entschuldigte sich für die Verspätung. Wir überholten die Engländer, querten den Gletscher am Fusse des Berges und erklommen die Schulter des Berges, bevor es an den steilen, schneebedeckten Gipfelhang ging. Dort montierten wir unsere Steigeisen und mit Hilfe der Eisaxt fanden wir guten Halt.
Es war alles angerichtet; ich fühlte mich gut, hatte keine Anzeichen der Höhenkrankheit, die Dämmerung versprach einen Traumtag ohne Wolken und meine Vorfreude auf den Gipfel stieg bei jedem Schritt. Nur der Gipfelgrad wollte und wollte nicht näher kommen. In dieser Höhe an einem steilen Hang ist es unmöglich einfach hochzulaufen. Pickel in den Hang rammen zwei Schritte aufsteigen und kräftig durchatmen. Diesen Rythmus versuchte ich durchzuhalten und wenn möglich nur selten Richtung Gipfel zu spähen.
Sechs bis sieben Stunden hatte mir Bhauo für den Aufstieg prophezeit. Um 05.39 Uhr, nach knapp viereinhalb Stunden erreichten wir kurz nach Sonnenaufgang den Gipfelgrad. Die Stimmung war unglaublich und wir waren glücklich und auch ein wenig stolz alleine auf 6138 Metern die Aussicht geniessen zu dürfen.
Nach der Gipfeleuphorie wurde mir klar, dass mir nun ein langer Abstieg von 2700 Höhenmetern bevorstand, wollte ich doch am selben Tag wieder zurück nach Leh zu meiner lieben Karin. Doch wie schnell hatten wir doch auf den Schuhen rutschend den zuvor mühsam erklommenen Schneehang hinter uns gebracht. So kamen wir bereits um 8.30 Uhr zu unserem zweiten Frühstück und einem kleinen Erholungsschlaf im Base Camp, bevor wir den gleichen Weg wie am Vortag zurück ins Tal in Angriff nahmen.
Das schöne Wetter hielt bis am Abend und ich konnte kaum glauben als mein Blick vom Hotelzimmer in Leh auf den Stok Kangri fiel, dass ich vor wenigen Stunden auf dem Gipfel gestanden war.
Die letzten Tage in Leh genossen wir dann (wieder zusammen) in vollen Zügen. Es herrschte herrliches Sommerwetter! Am Tag wurde es meist richtig heiss, doch die Abende waren schön lau. Wir schlemmten uns durch unsere indischen, tibetischen und manchmal auch westlichen Lieblingsmenus (bei durchschnittlich rund CHF 3 für zwei Gerichte muss man sich hierfür nicht einmal in Unkosten stürzen), mampften zum Dessert die frischen Mango-, Aprikosen- oder Pflaumenkuchen aus den vielen Bäckereien während wir einen Apfelsaft aus dem Kashmir schlürften. Nach so viel Essen stand uns der Kopf nach etwas Bewegung, sei es durch den grünen Bereich von Leh schlendern, die Aussicht von der hoch über Leh thronenden Stupa bewundern oder einer Fahrradtour durch die nahe gelegenen Dörfer.
Auch für etwas Shopping blieb noch Zeit – zur Freude von Karin und zum Leidwesen von Christian
Insbesondere die Läden mit Schmuck & Schals (Pashmina, Kashmir, Silk-Pashmina und etliche mehr Materialkombinationen) sind zahlreich. Die Kundschaft in den Geschäften ist mehrheitlich weiblich während die Verkäufer ausschliesslich männlich sind (und zwar nicht stil-bzw. modebewusste Männer….). Und so holten die Verkäufer zu Beginn jeweils voller Engagement ihre Schals in den verschiedensten Muster und Farben hervor. Ihr Enthusiasmus schwand jedoch, sobald Karin nach etwas fragte, dass nicht in ihr Standardsortiment gehört. ¨Ein blau-weisser Schal? Das haben wir sicher nicht und überhaupt, wer trägt das schon?! Nimm doch diesen beigen, der ist aus dem besten Material gefertigt.¨, ¨Blau, blau, wir haben nur dieses blau!¨ und mit diesen Worten riss der Verkäufer sämtliche blauen Schals aus den Regalen und warf sie auf den Boden. Und das nur, weil wir nach einem anderen Blauton gefragt hatten. So wurden die Stimmen der Verkäufer rasch genervt bis wütend. Auf den Kundenwunsch eingehen? Fehlanzeige. Der Kunde hat gefälligst zu kaufen was man ihm vorsetzt und überhaupt, wie kann es sein, dass wir den beigen Schal, welchen man uns in jedem Geschäft zeigte, nicht mögen? Ist dieser doch von der besten Qualität. Der Gipfel in dieser Komödie war, dass die Verkäufer in manchen Läden ausschliesslich mit Christian sprachen. So musste er sogar die Worte von Karin wiederholen damit diese vom Verkäufer ¨gehört¨ wurden. Und so liess Karin zahlreiche Geschäfte mit meterhohen Bergen aus ausgepackten Schals auf dem Boden hinter sich. Doch sie wurde trotzdem fündig und Christian atmete erleichtert auf, als er im letzten Geschäft vom Sofa, von welchem er eine weitere Komödie beobachtet hatte, aufstand
Nach zwei Monaten in Ladakh fühlte sich insbesondere Christian hier schon richtig heimisch. Doch dann war es soweit und wir stiegen ins Flugzeug, welches uns aus den Bergen Ladakhs ins heisse, feuchte Delhi brachte. Hier nahmen wir einen Schnauf Abgasluft bzw. verbrachten wir einen Tag und stürzten uns ins Getümmel.
Als wir an einem kleinen Coiffeur vorbeikamen, entschloss sich Karin spontan, ihre von Ladakhs Sonne geschädigten Haare etwas kürzen zu lassen. Der ¨Coiffeur¨ war im Haare schneiden definitiv kein Könner, doch ein guter Verkäufer. Von Peeling über roter Haartönung bis zur Massage wollte er uns alles verkaufen. Als seine Angestellte uns anbot, als unsere Hausangestellte mit uns in die Schweiz zu kommen, hielten wir es an der Zeit das Weite zu suchen…
Nochmals genossen wir die riesige Auswahl an frischen Früchten und ein kleiner Schwatz mit Don an seinem Früchtestand.
Und natürlich feines inisches Essen (zu Spottpreisen) zum Abschluss.
Am nächsten Tag nahmen wir die moderne Metro, welche uns in kürzester Zeit an den Flughafen brachte. Nur in den Flughafen reinzukommen, entpuppte sich als schwieriger. Hatten wir doch nur die e-Ticket Nummer und nicht das komplette Ticket ausgedruckt. Und so liessen uns die grimmig dreinschauenden Militärs, welche jeden Eingang des Flughafens bewachten, nicht hinein. Wir spurteten zu einem Schalter unserer Airline (war glücklicherweise ausserhalb des Flughafens), wo man uns einen Fötzel ausdrucken konnte, welcher nach ca. 5-Minütiger Betrachtung vom Beamten am Eingang akzeptiert wurde. Das ganze Spektakel hatte uns viel Zeit gekostet und so schafften wir es – wieder einmal mit einem Spurt – gerade rechtzeitig zum Einstiegen. Via Bangkok ging es nach Osaka in Japan.
Wir freuen uns extrem, dass wir in den nächsten 2 Monaten die Vielfalt Japans entdecken können!

















Hallo Ihr Beiden. Ja mir scheint Ihr habt wieder Einiges erlebt. Langweilig scheint es Euch nicht zu sein. Uns hier auch nicht obwohl wir nicht ganz so hoch hinauf kommen wie der Gipfelstürmer
Nun wünsche ich Euch eine schöne Zeit in “Nippon” und grüsse Euch herzlich aus Liechtenstein.
Öhi Hitsch.