Sushi, Shinkansen und neue Bekanntschaften – unterwegs im spannenden Japan

Ihr habt euch wahrscheinlich schon gefragt, was wohl mit uns los ist. Liegt doch unser letzter Blog Eintrag schon eine ganze Weile zurück. Der Grund? Japan! Dieses faszinierende Land und seine Gesellschaft haben uns in ihren Bann gezogen. Die japanische Küche, Samurai Schlösser, grosse Städte – jeden Tag gibt es so viel Neues zu entdecken. Und von unseren neuen Bekanntschaften und Gastgebern haben wir dann gleich noch einen vertieften Einblick ins Leben der Japaner erhalten. Aber alles der Reihe nach….

Wenn es ums Zugsystem geht, ist Japan das Mass der Dinge. Züge fahren im Minutentakt, pünktlich bis auf die Sekunde, zur ¨Rush Hour¨ (Hauptverkehrszeit) gibt es in den Städten sogar Wagen nur für Frauen zum Schutz vor ¨Grapschern¨

DSC02765

und die Shinkansen Hochgeschwindigkeitszüge machen aus Japan – einer Insel grösser als Grossbritannien – ein Miniaturland, so schnell ist man zum Beispiel von Tokyo im 640 Kilometer entfernten Hiroshima. Ja, das japanische Zugsystem ist top. Es sei denn es fallen mehr als vier Regentropfen. Dann geht nämlich gar nichts mehr!

So auch als wir auf dem Weg vom Yoshimizu Guesthouse, wo wir zwei Wochen gearbeitet hatten, in die Stadt Kobe unterwegs in einen Regenguss kommen. Doch keine Gefühlsregung zeigen die Gesichter unserer japanischen Mitreisenden als der Zug plötzlich stillsteht und eine Durchsage (natürlich nur auf japanisch) erfolgt. Emotionen zeigen, das ist hier in Japan ein absolutes ¨No go¨. Und so koennen wir nur erahnen, wie der eine oder andere Mitreisende innerlich schreit, als die Stunden voranschreiten und der Zug sich keinen Milimeter fortbewegt hat. Alle Augenpaare folgen uns, als wir uns nach ein paar Stunden Warterei aufmachen, um an den Führerstand zu klopfen, wo sich die elegant gekleideten Lokführer mit ihren weissen Handschuhen und adretten Hüten verschanzt haben. In einer Stunde soll es weitergehen und dann wieder eine Stunde später und wieder eine Stunde später… Doch auch nach 6 Stunden im stehenden Zug hören wir kein Murren der Japaner. Doch kleine Anzeichen gibt es, dass auch sie mit der Geduld zu kämpfen haben. Zum Beispiel der Mann vor uns, welcher leise seinen Kopf an die Scheibe hämmert (wahrscheinlich hat er in seinem Leben zusammengezählt schon etliche Monate gewartet…). Einige sind ausgestiegen, um im Ort Besorgungen zu machen und kehren dann zum Zug zurück. So hat die Frau im Abteil neben uns Stoff und Schnittmuster besorgt und angefangen eine Jacke zu nähen (bis der Zug weiterfährt ist sie dann schon fast fertig ;-) ). Ah ja, das System von Ersatzbussen haben die Japaner übrigens noch nicht eingeführt. Und so warten wir sagenhafte 8 Stunden in einem stehenden Zug bis es endlich weitergeht.

Fazit: Das japanische Zugsystem bei Sonnenschein ist top,

DSC02983 bei Regen hingegen ein Flop.

DSC02762

Zum Glück nahm es unser Gastgeber Kei in der Stadt Kobe locker, dass wir anstatt am Nachmittag erst vor Mitternacht bei ihm eintrafen und kochte uns sogar noch ein feines japanisches Znacht.

Am nächsten Tag erkundeten wir die Stadt Kobe mit dem europäischen Viertel (war für uns nicht so spektakulär, doch die asiatischen Touristen waren hin und weg), der Shopping-Arcade, dem Hafen

DSC02774

und natürlich den zahlreichen kleinen Restaurants und Bars. Zusammen mit Kei verbrachten wir einen tollen Abend in einem Izakaya. In dieser Art einheimischem Pub treffen sich die Einheimischen nach der Arbeit für ein paar Bier oder das Nationalgetränk Sake (Reisschnapps) und Häppchen. Isst man sich quer durchs Häppchen-Sortiment, so wie wir, kann es auch als gutes und günstiges Znacht hinhalten. Und Karin hat mit Pflaumensake gleich noch ihr Lieblingsgetränk in Japan gefunden. Fast so gut wie Hugo :-)

¨Kampai¨ (=Prost)! Ein toller Abend mit unserem Gastgeber Kei, feinem Essen, viel Gelächter und Gespräche übers moderne Japan.

DSC02782

Unsere nächste Station, Himeji, ist vor allem berühmt für sein weisses Schloss. Hier wurde auch ein Teil des Films ¨Der letzte Samurai¨ mit Tom Cruise gedreht.

DSC02798

Onomichi – ein Städtchen an der Küste, welches kaum auf dem Reiseprogramm von westlichen Touristen liegt. Die Stadt verfügt über ein schönes Quartier mit vielen Tempeln,

DSC02809 doch wir waren nicht deswegen hierher gekommen. Mariko, eine Japanerin aus Tokyo, welche wir im Guesthouse Yoshimizu kennengelernt hatten, hatte uns die Fahrradtour über die Inseln vor der Küste von Onomichi wärmstens empfohlen. Da die Inseln alle mit Brücken verbunden sind, versprach die Tour ein echtes Fahrradvergnügen. Doch bevor wir losradelten, verbrachten wir eine Nacht in Onomichi bei Hero, einem schrägen Vogel. Mit einem Frotteetuch um den Kopf geschwungen, tänzelte er durchs Haus seines Grossvaters und ernährte sich nur von Kräutern, Gemüse und Wurzeln – ganz nach dem Vorbild eines afrikanischen Stammes. Nachdem wir uns durchs Dickicht des Gartens gekämpft hatten, unser Gepäck über das Gerümpel im Haus bis zu unserem, mit Tatami Matten ausgelegten, Schlafbereich gehievt hatten, wurden wir mit einer schönen Aussicht über die Stadt belohnt.

DSC02808

Aber Achtung! Sofort wurden wir informiert, dass im altersschwachen Haus womöglich das Balkongeländer zusammenbrechen könnte und ah ja, bitte die Schiebewände und -türen (welche den Seitenwänden unseres Zimmers entsprechen) nicht berühren, sonst könnte sie auseinanderfallen… Das Dach fiel uns in der Nacht aber zum Glück nicht auf den Kopf und so konnte unser Fahrradvergnügen am nächsten Morgen starten.

DSC02813

Typisch Japan war alles perfekt organisiert: Von der Fahrradvermietung, über den angelegten Fahrradweg über die Brücken bis zu den Stationen unterwegs, wo man auch mal sein Trinkflasche im Restaurant auffüllen lassen konnte.

DSC02830

DSC02834

Auch wenn es auf dem Bild nicht so aussieht, das Wetter war sehr heiss und feucht. Und so genossen wir unterwegs jeweils einen Sprung ins kühle Meer.

DSC02821

Auf einer Insel übernachteten wir in einem Minshuku (einer traditionellen japanischen Unterkunft bei einer Familie), von wo aus es am nächsten Tag bei Sonnenschein und blauem Himmel mit dem Fahrrad weiterging. Natürlich nicht, ohne in der Unterkunft noch ein typisch japanisches Frühstück mit Reis, rohem Ei, Tintenfisch, Miso-Suppe mit Tofu, Algen und in Essig eingelegten Pflaumen zu geniessen.

DSC02846

Unterwegs über die Brücken, welche die Inseln miteinander verbinden. Die Japaner sind Meister im Brücken bauen.

DSC02842

DSC02836

Christian bei seinem täglichen Glace-Genuss. Das gesunde japanische Essen hat bei Christian Spuren hinterlassen. Um nicht noch ganz aus dem Leim, beziehungsweise seinen Badehosen zu fallen, musste er nun seine tägliche Glace-bzw. Dessertration auf vier erhöhen  ;-).

DSC02835

DSC02803

Von Onomichi nach Hiroshima gelangten wir dann mit dem Bus. Ja, es war wieder einmal Regen angesagt (gemäss den Einheimischen erleben sie den regenreichsten August seit über 100 Jahren) und so ging im Zugsystem mal wieder gar nichts.

Hiroshima. Die Stadt, welche durch ihre traurige Vergangenheit weltbekannt wurde. Hier, wo die erste Atombombe in der Weltgeschichte abgeworfen wurde und die Leben vieler Menschen zerstört wurden. Ein eindrücklicher Zeitzeuge ist das einzige Gebäude im Zentrum, welches den Abwurf überstanden hat und bis heute so belassen wurde. Ja, man kennt Hiroshima aus dem Geschichtsunterricht. Doch wenn man selbst da ist, im Friedensmuseum die Bilder der Zerstörung, die Auswirkungen, Berichte von Überlebenden sieht und hört, dann ist es doch viel eindrücklicher.

DSC02877

DSC02869

Trotz der traurigen Vergangenheit ist Hiroshima eine Stadt mit einem entspannten Flair und seine Bewohner ein aufgestelltes Völkchen. Dazu gehören auch unsere Gastgeber, Toyo und Tazo:

DSC02884

Wir hatten ein richtiges ¨Käferfest¨ mit den beiden, kugelten uns am Boden vor Lachen über ihre Anekdoten und mussten grinsen, als uns Tazo von seinen jahrelangen Bestrebungen Toyo zum Heiraten zu überreden, erzählte (seine Strategie: So viel wie möglich fragen – irgendwann sagt sie dann plötzlich ¨ja¨). Dazu wurden wir verpflegt wie die Könige: Selbstgemachte Sushi oder frisches Sashimi zum Znacht, dazu tischten sie uns ihren besten Sake auf und zum Frühstück kauften sie extra für uns in einem Spezialitätenladen ¨europäisches¨ Brot (das weisse, pampige, federleichte japanische Brot ohne Kruste schmeckt ganz anders).

DSC02963

DSC02957

DSC02964

Miyajima ist bekannt für seinen, bei Flut im Wassser stehenden, Shrine und somit Anziehungspunkt für viele japanische Touristen.

DSC02894Hier gibt es auch schöne Tempelanlagen, welche praktisch keine Besucher hatten. Alles, was ein Fussmarsch von mehr 5 Minuten von der Fähre entfernt ist, wird von den asiatischen Touristen kaum besucht. Sie besuchen lieber die nahen Läden oder füttern die ¨wilden¨ Rehe. So konnten wir die friedlichen Tempelanlagen in aller Ruhe geniessen.

DSC02916

DSC02903

DSC02920

DSC02935

Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen brausten wir von Hiroshima nach Fukuoka, eine Stadt auf der Insel Kyushu gelegen.

DSC02969

Etwas schneller als die Rhätische Bahn ist er unterwegs, der Shinkansen ;-) .

DSC02988

Eine Fahrt mit dem Shinkansen ist wirklich ein Erlebnis, selbstverständlich ist alles vom Billetkauf bis zum Verlassen des Zuges perfekt organisiert und super effizient.

DSC02974

Der Shinkansen flitzte durch die dicht besiedelte Landschaft und so hatten wir die rund 210 Kilometer von Hiroshima nach Fukuoka in Windeseile zurückgelegt. Die Insel Kyushu wollten wir mit dem Mietauto entdecken. Doch wir wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dieser Trip einen japanischen Fahrausweis, ein Erdbeben, einen rauchenden Vulkan und das letzte Samurai Schloss beinhalten würde.

 

 

Hinterlasse eine Antwort