Luang Namtha war unser erster Halt im Norden von Laos. Wir wollten von hier die Bergregion zu Land und Wasser auf einer geführten Tour erkunden. Uns sollte aber noch ein Erlebnis besonderer Art erwarten, davon aber später.
Als wir am Morgen beim Tourbüro auftauchten, erwartete uns nur unser Guide Hak und erklärte uns, die anderen Angemeldeten hätten wegen den vorabendlichen Niederschlägen die Tour abgesagt. Wir waren nicht traurig, hatten wir dadurch unseren persönlichen Guide. Zu dritt machten wir uns auf in Richtung Markt, um die Zutaten für unser Essen die nächsten zwei Tage einzukaufen.
Auf dem Markt, wo von frischem Gemüse, Früchten über Frösche (ja, auch diese sind zum essen!) bis zu fertig gekochten Speisen alles angeboten wurde, war fuer uns vieles neu. Umso besser, dass wir mit Hak einen Einheimischen dabei hatte, der uns einen ersten Einblick in Laos Spezialitäten geben konnte.
Schon ziemlich schnell merkten wir, dass die Chemie zwischen Hak und uns stimmte. So waren wir guten Mutes bevor es von einem Dörfchen an der Strasse in das hügelige Gebiet des Nam Ha Natioalparks ging.
Zugegeben, die Wanderung durch den schattenspendenden Busch war nicht sehr spektakulär, doch das Wissen und die Darbietungen von Hak machte das Ganze zu einem Erlebnis. Er war als Kind viel mit seinem Grossvater unterwegs, vom dem er das meiste gelernt hatte. Für das Mittagessen konstruierte er schnell Tisch und Bank, sammelte Bananenblätter für ein Tischtuch und wir genossen die auf dem Markt gekauften frischen Gerichte. Mmmh, es schmeckte alles sehr gut, unsere Favoriten waren aber einerseits das Hühnchen mit Pfefferminz und Bambus mit dünnen Reisnudeln.
Hak schnitt für uns aus Bananenblättern Fächer, bastelte Flöten aus Bambusrohr, zeigte uns wie er eine Vogelfalle innert Kürze herstellen konnte und gab uns Kostproben von verschieden Pflanzen, von welcher jede eine Medizin war. Wir gruben Bambussprossen aus fürs Nachtessen und auch der Kardamontee sollte frisch aus dem Wald sein.
Nach fünf Stunden Buschwanderung tauchten wir in einem kleinen Dorf bei der Strasse wieder auf. Die Kinder am Wasser schrien ´Farang´ und Christian flogen erste Bälle von Seegrass entgegen. Ausländer mit weisser Hautfarbe werden als Farang bezeichnet und manche Eltern erzählen ihren Sprösslingen Schauergeschichten wie: ¨Falls du jetzt nicht brav bist kommt der kinderfressende Farang.¨ Wir genossen das erfrischende Bad mit den Kindern und wie wir schnell merkten, hatten die Segrassbälle nichts mit der Angst vor dem Farang zu tun.
Wir übernachteten in einem Dorf der Khmus, einer ethnischen Minderheit im Norden von Laos. Einfache Häuser auf Stelzen und die offenen Kochstellen versetzten uns in eine Welt der Vergangenheit. Wir waren wieder die einzigen Westler im ganzen Dorf und zu Gast bei einer lieben Familie, mit der wir das Nachessen genossen. Unser Guide Hak wusste nicht nur wahnsinnig viel über die Kultur und den Wald, sondern ist auch ein begnadeter Koch. Mit den gesammelten und auf dem Markt gekauften Zutaten bereitete er alleine das Nachtessen für uns und die einheimische Familie zu. Wie hier üblich, werden mehrere, mit Essen gefüllte Schalen auf den Tisch gestellt, von welchen sich jeder mit seinen Stäbchen oder einem Löffel bedienen kann. Gerichte mit Tofu und Gemüse, die aus dem Wald mitgebrachten Bambussprossen, Hühnchen mit Tomaten und noch andere Speisen wurden uns aufgetischt. Dazu erhält jeder noch eine grosse Portion Reis. Zur Feier des Tages bot uns die Familie von ihrem speziellen Reis an, welcher royalblau war und herrlich nach Zimt duftete.
Die im Wald gesammelten Bambussprossen kamen bei der einheimischen Familie sehr gut an.
Im Wohnraum der Familie, der als Küche, Esszimmer, Aufenthalts- und Schlafraum fungiert.
Am Abend machten wir einen Spatziergang durchs Dorf, Hak überredete Karin sich am Webstuhl einer Einheischen zu versuchen. Ja,ja, macht auch Spass, aber einkaufen geht definitiv schneller
Nachdem wir am Morgen aus dem Moskitozelt gekrochen waren, drückte uns Hak freundlich lächelnd ein Glas süssen Kaffee in die Hand. Er war bereits um 5 Uhr morgends aufgestanden, um sowohl das Zmittag für den heutigen Tag, wie auch unser Frühstück über dem Feuer zuzubereiten. Nach einem laotischen Frühstück mit Reis, Eieromelet und Gemüseeintopf machten wir uns auf Richtung Namtha Fluss. Denn nicht zu Fuss sondern mit einem Kayakgummiboot sollte es heute durch den Nationalpark gehen.
Der Fluss führte nicht all zu viel Wasser und es gab Stromschnellen, bei denen man sich den Weg zwischen den grossen Steinen suchen musste. Das machte richtig Spass und wir fühlten uns wie auf einer Schlittenfahrt, den Berg hinabsausend. Dann gabs auch wieder ruhigere Abschnitte, wo man aus dem Kayak springen und sich ein Bad im trüben Fluss gönnen konnte. Bei der Hitze wollten wir uns nur abkühlen und so konnten wir auch gut ausblenden, was da noch so alles im Fluss mitschwomm… Mit einem Schwumm im glasklaren Wasser des Caumasees natürlich nicht zu vergleichen
Heute waren noch zwei Iren zu uns gestossen und wir konnten ein weiteres fantastisches Mittagessen geniessen, das Hak am Morgen zubereitet hatte.
Wir steuerten ein Dorf an und schon kamen die Kinder angerannt. Die Farangs sind eine willkommende Abwechslung und manchmal bringen sie auch Kleinigkeiten wie Ballone oder Süssigkeiten mit.
Die zwei Tage waren mitunter eine der schönsten auf unserer bisherigen Reise. Zu einem grossen Teil verdanken wir dies unserem Guide Hak, einem humorvollen Typ mit viel Wissen, dem die Kultur seiner Region sehr am Herzen liegt.
Am ersten Abend fragte er uns , ob wir nicht Lust hätten seine Familie kennen zu lernen und an einem Fest teilnehmen möchten, das er in zwei Tagen organisiere. Natürlich hatten wir Lust…….
Gespannt nahmen wir die Bambusbrücke über den Fluss zum verabredeten Treffpunkt. Schön gekleidet erwartete uns Hak dort schon und führte uns zu seinem Heim. Wir wurden seinen Eltern, den Onkeln und seinen von weit her gereisten Geschwistern vorgestellt. Unbedingt sollten wir auf ein Bild mit seinen beiden Brüdern und seiner Schwester und deren Kindern. ¨Heute, meinte er mit ernster Mine, ¨seid ihr Teil meiner Familie.¨
Und wie sehr er doch recht hatte. An allen Prozessionen dieses Festes durften wir im innersten Kreis seiner Familie teilnehmen. Zwei Schweine wurden geschlachtet, eines als Opfergabe, das andere für das Festessen.
Nach dem offizielem Teil im Wohnraum gings weiter zum Essen und vor allem zum Trinken nach draussen. Und es wurde gebechert, was das Zeug hielt. Bier und der bekannte Schnapps LaoLao flossen in Strömen. Die Laoten wissen zu feiern und auch uns wurde kräftig eingeschenkt. Da wir nicht gefragt, ob jemand noch zu trinken möchte, nein es wird einfach nachgeschenkt .
Karin beim tanzen mit Haks Mutter. Die Tänze sind einfach – schliesslich muss man diese auch noch mit einem hohen Alkohlpegel tanzen können
Wir staunten nicht schlecht, gingen doch sogar beim tanzen Einheimische umher und flössten den Tanzenden Schnapps und Bier ein. Ein ¨Nein¨ ist hier unmöglich. Wie beim Ballermann in Mallorca wird hier einfach das Glas an die Lippe derjenigen gehalten, die an der Reihe ist und dann runter damit. Von der Grossmutter bis zur Enkelin trinken da alle mit!
Wir verabschiedeten uns am frühen Abend, doch Hak liess uns nicht einfach so gehen. Er schnappte sich das Mikrofon und sang extra für uns ein Ständchen und erklärte der versammelten Gesellschaft wie sehr er sich gefreut habe uns hier gehabt zu haben. Plötzlich wurde Christian das Mikrofon hin gehalten und von ihm eine Rede erwartet. Da fast nur Hak Englisch verstand konnten wir ihm so mitteilen, dass es für uns ein unvergessliches Treffen gewesen sei. Gerührt nahmen wir von allen Abschied und kehrten aus dieser völlig anderen Welt über die Bambusbrücke zurück zu unserem Hotel in Luang Namtha. Was für ein unvergesslicher Tag mit einem spannenden Einblick in die Kultur sowie ins Familienleben von Laoten.
Eine der ganz besonderen Begegnungen auf unserer Reise.























