Waipara: Arbeit, Wein und neue Bekanntschaften

Erholt verliessen wir Fiji und spurteten dann in Auckland vom internationalen zum nationalen Flughafen, um unseren Anschlussflug nach Christchurch noch zu bekommen. Die Hilfsbereitschaft der Air New Zealand Mitarbeiter hielt sich in Grenzen (Kommentar des Mitarbeiters: ¨Ich glaube kaum, dass ihr den Flug schafft – wobei, ihr seid jung, ihr könnt ja rennen.¨ Haha, dankeschön…), dafür war die Grenzkontrolle speditiv. Doch leider gab es nur für Christians Wanderschuhe eine Putzrunde, Karins Schuhe wurden nach genauer Betrachtung als gut befunden. Nun denn, muss ich halt meine Schuhe selbst putzen.

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Den Anschlussflug haben wir dank unserem Sprint mitsamt dem grossen Rucksack noch bekommen und spazierten ein paar Stunden später schockiert durch Christchurch. Das letzte Mal waren wir vor den Erdbeben in Christchurch gewesen. Und ja, uns war bewusst gewesen, dass die Stadt von mehreren Beben zertrümmert worden war. Doch wir waren davon ausgegangen, dass das Meiste wieder aufgebaut worden war. Doch zu unserem Erstaunen glich das Stadtzentrum eher einem Kriegsschauplatz: Viele Läden, immer noch voll ausgestattet mit den zerstörten Möbeln, sind verwaist, viele Gebäude liegen nach wie vor in Trümmern oder sind weiträumig abgesperrt aufgrund der Einsturzgefahr. Als Provisorium waren im Stadtzentrum Container aufgestellt worden, in denen sich Läden und Cafes befinden.

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Doch wir blieben nicht lange in Christchurch. Unser nächstes Ziel war das Weinanbaugebiet Waipara Valley, wo wir die nächsten zwei Wochen auf einem Weingut mithelfen würden. Wir hatten keine Ahnung, welche Arbeit uns genau erwarten würde, doch wir waren offen, um etwas Neues zu lernen und (hoffentlich) auch das Endprodukt probieren zu können :-)

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Anstatt einer herzlichen Willkommensumarmung wurde uns auf dem Weingut von Maura und Peter jedoch zuerst einmal eine Liste  mit Regeln in die Hand gedrückt (Regel Nr. 1: IMMER und überall Untersetzer benutzen, sogar für die Wasserflasche im Zimmer, Regel Nr. 2: NIEMALS in unserem Zimmer Kleider am Boden rumliegen lassen und so weiter und so fort). Unter dem strengen und prüfenden Blick von Hausherrin Maura wurde somit sogar Chaotin Karin zu einem sehr ordentlichen Menschen – mindestens für zwei Wochen…

Das Haus von unseren Gastgebern Peter und Maura liegt wunderschön umgeben von einem Garten mit Pfirsichen, Orangen, Oliven und Rosen mit einem fantastischen Blick auf die Reben und die umliegenden Hügel, deren Gras aufgrund der starken Sonne vertrocknet ist und daher beige leuchtete.

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Die Aussicht von der Terrasse vor unserem Zimmer war fantastisch und so verbrachten wir hier manchen Nachmittag bzw. Abend.

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Aber wir waren ja nicht zum Plausch hier! Jeden Tag, um 7.30 Uhr marschierten wir los in die Reben (obwohl wir uns manchmal eher im Dschungel als in einem Rebberg wähnten).

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Die Arbeit war körperlich anstrengend, monoton, doch nicht schwierig. Sofern wir die Anweisungen von Peter richtig verstanden – was bei seinem Gemurmel mit starkem Akzent nicht so einfach war…

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Jeden Morgen arbeiteten wir mind. 5 Stunden in der heissen Sonne in den Reben. Die Nachmittage hatten wir jeweils frei und genossen eine Fahrradtour oder ein Bad im nahe gelegenen Fluss.

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Nach ein paar Tagen bekamen wir Verstärkung von einem anderen Workaway Paar, Tara und Kevin aus Oregon, USA. Wir verstanden uns blendend mit den beiden und so verbrachten wir manche Nachmittage zusammen. Ein Besuch der umliegenden Weingüter inklusive Degustation durfte dabei natürlich nicht fehlen. Da Kevin ein Bier- und kein Weintrinker ist, hatten wir auch schon unseren Fahrer für die Tour. Und so bewunderten wir die Aussicht von verschiedenen Weingütern im Tal….

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….und tranken uns quer durchs Weiss-, Rose- und Rotweinsortiment hindurch.

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Unsere Gastgeber Peter und Maura wechselten sich jeweils ab mit kochen und beide beherrschten es sehr gut. Doch auch wir liessen uns nicht lumpen und kochten ein Mal ein typisches ¨Schweizer Menu¨ aus Karins Familie mit Polenta-Schnitten als Vorspeise, Spinat/Bündnerfleischstrudel als Hauptspeise und Linzertorte als Dessert (jaja, diese ist aus Österreich, doch das ist hier am anderen Ende der Welt ¨Hans wia Heiri¨).

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Ein fantastisches, entspanntes Wochenende verbrachten wir, als unsere Gastgeber verreisten und uns das Haus überliessen. Natürlich hinterliessen sie uns eine lange Putzliste, damit wir auch am Sonntag beschäftigt waren. Karin ist nach wie vor überzeugt, dass die kontrollsüchtige Maura irgendwo eine Kamera installiert hatte. Wusste sie doch bei ihrer Rückkehr bereits als sie zur Tür hereinkam, dass wir einen Flecken auf ihr leuchtend weisses Tischtuch gemacht hatten und ein Problem mit der Waschmaschine gehabt hatten. Nun denn, wir liessen uns davon die Zeit nicht vermiesen und genossen einen Ausflug mit dem Fahrrad durch die Weinberge ins nächste Städtchen Amberley.

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Am Abend kochten wir gemeinsam und genossen alle zusammen auf der Terrasse das Znacht mit dem bei der Degustation eingekauften Wein. Karin konnte endlich mal wieder ein paar Desserts zaubern, welche wir bei interessanten Gesprächen mit Tara und Kevin schlemmten während die warme Sonne langsam hinter den Reben verschwand…

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Es gefiel uns gut, draussen zu arbeiten, doch die Arbeit in den Reben wurde mit der Zeit ziemlich langweilig und eintönig. Karins Highlight war definitiv, als wir mal bei einem Bauern Schafe abholen und in den Rebberg treiben sollten. Selbstverständlich hatten diese jedoch anderes im Sinn und frassen sich lieber im Gemüsegarten des Nachbars den Bauch voll. Und so verbrachten Karin und Tara die nächste Zeit damit, den Schafen hinterher zu rennen.

Der Abstecher ins Waipara Valley hat uns einen Einblick ins Leben der Kiwis gegeben und wir haben uns mittlerweilen sogar an ihren Dialekt mit dem starken Akzent gewöhnt. Uns hat es gefallen, mal wieder etwas sesshaft zu sein, Neues zu lernen und draussen zu arbeiten. Aber wir wissen jetzt auch beide, dass wir lieber Wein trinken als diesen anbauen! Glücklich sind wir über die schöne Bekanntschaft von Tara und Kevin, dem aufgestellten, natürlichen und herzensguten Paar aus den USA, die unseren Aufenthalt in Waipara definitiv bereichert haben.

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Eine Antwort auf Waipara: Arbeit, Wein und neue Bekanntschaften

  1. Glükler Thomas sagt:

    Hallo iar zwei

    do hofft ma doch eifach, dass es denn für a Fläschli Wy bis in d Schwyz langet :-)

    Gruass und gnüssends wieterhin

    Tom

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